Lernen nach ästhetischen Grundsätzen 

FMB 2020: Kultur und Schule

Niklaus Rüegg, 28.10.2019

Zum Themenbereich «Kulturelle Bildung» konnte der VMS fürs Forum Musikalische Bildung einen hervorragenden Referenten gewinnen. Sein Bildungsverständnis geht von spannenden Ansätzen aus.

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Max Fuchs ist ein gefragter Referent für Kultur- und Bildungsthemen.

Niklaus Rüegg – Der deutsche Kultur- und Erziehungswissenschaftler Max Fuchs verfügt über einen ungewöhnlichen Lebenslauf. Zwischen seiner Lehre als Fernmeldehandwerker bei der Deutschen Post bis hin zum Präsidenten des Deutschen Kulturrats liegt eine beeindruckende wissenschaftliche Karriere mit einer überaus reichen Liste an Veröffentlichungen und Vorträgen. Fuchs ist heute auf seinem Gebiet einer der führenden Köpfe Deutschlands. Er wird am 17. Januar 2020 am FMB zum Thema «Menschenrecht Musik» sprechen.
Fuchs besuchte das Abendgymnasium, studierte anschliessend Mathematik und Wirtschaftswissenschaften, gefolgt von einem Pädagogik- und einem Soziologiestudium. Zehn Jahre lang arbeitete er als Gymnasiallehrer und Dozent für Mathematik.
Im Alter von 36 Jahren wurde er Leiter des Instituts für Bildung und Kultur an der «Bundesakademie Remscheid für kulturelle Bildung» und von 1988 bis 2013 amtete er als deren Direktor. In dieser Zeit erhielt er Lehraufträge für Kulturpädagogik, Allgemeine Erziehungswissenschaft, Kultur-und Kunsttheorie, Kulturpolitik an der Universität Hamburg, an der Universität Duisburg-Essen und seit 1998 im Studiengang Kulturmanagement an der Universität Basel. Seit 1997 ist Fuchs Honorarprofessor für Erziehungswissenschaft an der Universität Duisburg-Essen.
Bis 2013 war er Vorsitzender des Deutschen Kulturrats und Mitglied des Bundesjugendkuratoriums. Im Jahr 2006 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland für sein zivilgesellschaftliches Engagement in der Jugend-, Bildungs- und Kulturpolitik verliehen.

Plädoyer für eine Kulturelle Schulentwicklung
Max Fuchs beschäftigt sich gegenwärtig vornehmlich mit dem Thema «Kulturelle Schulentwicklung» in sogenannten Kulturschulen: «Eine Kulturschule ist eine Schule, die als ästhetischer Erfahrungsraum gestaltet ist, bei der also Schülerinnen und Schülern und auch Lehrerinnen und Lehrern die Gelegenheit gegeben wird, umfassend ästhetische Erfahrungen zu machen». Den Begriff «Kulturelle Bildung» definiert er in drei Teilbereichen: Der Kernbereich betrifft die traditionellen Künste, also Musik, bildende Kunst, Theater, Literatur und Tanz. Einen zweiten Bereich sieht er in der ästhetischen Bildung; dazu gehören Mode, Design, Architektur oder Textilgestaltung. Der griechische Begriff «Aisthesis», schliesslich, bedeutet sinnliche Wahrnehmung und meint Praxisformen wie etwa Spiel- oder Zirkuspädagogik, bei denen der Umgang mit dem Körper und den Sinnen eine zentrale Rolle spielt.
In Deutschland gibt es bereits etliche Schulen, die sich als Kulturschulen verstehen. Bei aller Unterschiedlichkeit dessen, was in der jeweiligen Schule unter Kultur verstanden wird, ortet Fuchs einen gemeinsamen Nenner: «Es geht um ein Lernen mit allen Sinnen, es geht um eine Einbeziehung der Leiblichkeit und Körperlichkeit». Fuchs fordert gar, dass ästhetisch-künstlerische Methoden auch im ausserkünstlerischen Fachunterricht Anwendung finden müssten. Der ästhetische Gedanke wird demnach zum Grundprinzip des Lernens.
Doch Fuchs findet auch kritische Worte: «Kulturangebote sind in Deutschland nach wie vor mittelschichtorientiert und können deshalb in einer konsequent umgesetzten Kulturschule auch Verschiebungen in der Schülerpopulation zur Folge haben». Wenn Kulturschulen ihre Schüler entsprechend ihrem Kulturprofil auswählen, leiden gerade der vielbeschworene Zugang zur Kultur und damit auch das Prinzip der «Kulturellen Teilhabe». Hierbei handle es sich um ein Strukturproblem in der Bildungspolitik, das noch nicht gelöst ist.

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