Die Musikschule als Forschungsgegenstand 

FMB 2020: Musikpädagogik im Spannungsfeld von Politik und Gesellschaft

Niklaus Rüegg, 29.11.2019

Die Musikalische Bildung von heute befindet sich nicht im Elfenbeinturm der Selbstgenügsamkeit. Peter Röbke wird am FMB über die gesellschaftspolitische Bedeutung musikpädagogischen Handelns sprechen.

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Instrumental-und Gesangspädagogik hat mehr mit Politik zu tun, als man denkt.

Niklaus Rüegg — Der Professor für Instrumentalpädagogik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien hat sich in seiner langen wissenschaftlichen Karriere mit vielen verschiedenen musikpädagogischen Themen auseinandergesetzt. Forschungsschwerpunkte setzt er bei der Instrumental- und Gesangspädagogik, bei formalen und nicht formalen Lernumgebungen, bei Musik und Gefühlen sowie bei der Auseinandersetzung mit der Institution Musikschule. In seinem didaktischen Grundlagenbuch Vom Handwerk zur Kunst beschreibt Peter Röbke den Grundsatz des authentischen und lebendigen Musizierens mit dem Ziel einer wirklichen Begegnung mit Kunst. Spannend ist sein Ansatz verschiedener Lernkontexte, welchen er in seinem Buch Vom wilden Lernen: Musizieren lernen – auch außerhalb von Schule und Unterricht zusammen mit Natalia Ardila-Mantilla ausführt. Seine These besteht darin, dass Lernen in nicht formalen Umgebungen mindestens ebenso wichtig für den Entwicklungsprozess des Musiklernenden ist, wie der formale, von Lehrpersonen gesteuerte Unterricht. Im Buch Das Musizieren und die Gefühle widmet er sich in Zusammenarbeit mit dem Erziehungswissenschaftler und Psychoanalytiker Helmut Figdor den Affekten beim Musizieren. Die Autoren geben Antworten auf Fragen wie «Welche Erfüllung elementarer psychischer Bedürfnisse bietet aktives Musizieren? Oder welchen psychischen Nutzen hat musikalischer Ausdruck? Für die Lehrperson gelte es, Gefühle beim Musizieren zuzulassen und Stücke zu finden, die beim Lernenden gewinnbringende Gefühle hervorrufen.

Forschungsgegenstand Musikschule
Peter Röbke war jahrelang Musikschulleiter in Berlin und kennt die politischen Implikationen des Musikschulbetriebs aus eigener Erfahrung. In seinem Buch Musikschule gibt es nur im Plural: Drei Zugänge (2015) entwirft er zusammen mit Natalia Ardila-Mantilla und Hanns Stekel das Bild einer Musikschule, deren Arbeitsfelder zwar konsequent ausdifferenziert sind, die aber darüber nicht ihre Identität verliert.
Am FMB wird er der Frage nachgehen, welchen Einfluss der gesellschaftliche Wandel auf die Musikpädagogik ausübt, ob diese bloss ihre Vorzeichen ändert oder auch die grundsätzliche Herangehensweise an bestimmte Probleme. Die Musikschulwelt sei immer schon, gerade in ländlichen Gebieten, in hohem Masse identitätsstiftend gewesen. Wenn nun neue Phänomene wie Migration, Interkulturalität oder Angriffe auf die westliche Liberalitätstradition stattfinden, habe das einen unmittelbaren Einfluss auf das Selbstverständnis der Musikschulen. Röbke ist davon überzeugt, dass Musikschule heute ohne Kooperationen mit andern Bildungsinstitutionen und einer Einbettung in gesellschaftliche Zusammenhänge nicht überleben könne: «Instrumental-und Gesangspädagogik hat nicht nur mit dem Aufbau von Spieltechnik oder Interpretationsvermögen zu tun, sondern ist vom Politischen durchdrungen». Die Institution Musikschule müsse, so Röbke, ständig ihre eigenen Grenzen überwinden, Kooperationen anstreben, sich dem gesellschaftlichen Wandel stellen und sich selbstverständlich im regionalen Kulturleben bewegen. Das Musikschulwesen in Österreich sei diesbezüglich sehr gut entwickelt. In Berlin habe er eher eine Selbstbezüglichkeit im Sinne von «Musikschule muss es geben, weil es Musikschule geben muss» erlebt. Röbke hält fest: «Die Identität der Musikschule besteht in ihrem grundsätzlich kooperativen Wesen».

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