Ein Überblick über den Musikschulunterricht in der Krise 
"Until We Meet Again"

"Until We Meet Again"

Anicia Kohler, 29.04.2020

Videotutorials, Heimkonzerte und Kinder, die gerne üben – die Schweizer Musikschulen reagieren flexibel und kreativ auf die Coronakrise

Musikschulen stellten sich in den letzten Wochen einer grossen Herausforderung. „Innert einer Woche mussten Lehrpersonen ihren Beruf quasi neu erfinden“, sagt Philippe Muller vom Cercle lémanique d’études musicales. Der Aufwand war und ist gross. Lehrpersonen und Schulleiter entwarfen neue Unterrichtskonzepte, sammelten Ressourcen und führten ihre Arbeit zum Teil nahtlos von einer Lektion zur anderen von zuhause aus weiter.

Optimales Equipment und individuelle Lösungen
„Das Equipment und die eigens entwickelte Lernmethode sind das A und O“, sagt Matteo Piazza, Präsident des Kantonalverbands Tessin und Direktor des Centro Studi Musicali della Svizzera Italiana in Lugano. Er erstellte Videotutorials für sein Kollegium, um den Zugang zu Apps und zur bestmöglichen Audioausrüstung zur erleichtern. Inhaltlich haben sich viele Lehrpersonen mit ihren Schülern darauf geeinigt, dass der Unterricht in mehrere kürzere Einheiten aufgeteilt wird. So teilt sich die Einzellektion häufig zwischen einem Videoanruf am Instrument, einer Hausaufgabe und einem musikalischen Input der Lehrperson auf. „Ich versuche individuelle Lösungen zu finden, damit die Schüler wirklich vorwärts kommen“, sagt Klavierpädagogin Susanne Maria Schwarz von der Musikschule Brugg.

Klavierlehrerin beim digitalen Unterricht Klavierunterricht im neuen Unterrichtsraum – zuhause (Bild: privat)

Positive Rückmeldungen
„Die Lehrpersonen zeigen sich unglaublich flexibel“, sagt Roger Stöckli, Leiter der Musikschulen Brittnau, Matzendorf und Luzerner Hinterland. Diese Tatsache geht auch an Schülern und Eltern nicht spurlos vorbei. Zahlreiche Eltern hätten sich bereits bei ihr bedankt, sagt Susanne Maria Schwarz. „Sie wissen es sehr zu schätzen, dass wir in dieser speziellen Situation so viel herausholen können.“ Auch Hans Peter Hess vom Verband Berner Musikschulen berichtet von zahlreichen positiven Rückmeldungen. „Unsere Sachen kommen an, und die Kinder wollen üben!“ Viele Lehrpersonen meldeten sich auch in den Frühlingsferien ab und zu bei ihren Schülern. Damit haben sie für Philippe Müller einen wichtigen Beitrag für die Zukunft der Musikschulen geleistet. „Das Wichtigste, was wir jetzt machen können, ist den Kontakt zu pflegen“, sagt er. In mehreren Musikschulen wurden Journals eingeführt, in denen tatsächliche Unterrichtszeiten festgehalten werden. Sie dienen als Beweismittel für den durchgeführten Unterricht, und zeigen gleichzeitig auf, dass sich Lehrpersonen um eine sehr hohe Qualität bemühen.

Sich digital zeigen
Konzerte und Veranstaltungen wie Instrumentenparcours oder Tage der offenen Türen fallen ebenfalls weg – viele Musikschulen haben sie deshalb ins Internet verlegt. Roger Stöckli zum Beispiel filmte sein gut vorbereitetes Kollegium während je einer Viertelstunde und stellte daraus einen virtuellen Instrumentenparcours zusammen. „Es war ein grosser Aufwand, aber die Videos finden Anklang“, sagt er. „Uns ist es wichtig, dass wir gesehen werden, auch digital. Eine Musikschule ist nicht einfach nur ein Ort, wo man wöchentlich sein Instrument auspackt!“

Instrumentenpräsentationen der Musikschule Brittnau

Als Familie oder Nachbarn gemeinsam musizieren
In zahlreichen Kantonen fanden und finden Heimkonzerte statt. Der Verband Berner Musikschulen rief am Sonntag, 6. April zu einem allgemeinen Balkonkonzert auf, an dem sich zahlreiche Musikschulen und Schüler beteiligten. Die Idee kam gut an – dies bestätigt die breite Medienberichterstattung. Hans Peter Hess sang mit seinen Nachbarn über Gartenzäune hinweg unter anderem das irische Segenslied „May The Road Rise Up To Meet You“, dessen Liedzeile „until we meet again“ eine ganz neue Bedeutung bekam. Das gemeinsame Musizieren spendete Trost und Geborgenheit. Und Susanne Maria Schwarz stellt mit grosser Freude fest, dass das gemeinsame Musizieren in der Familie wieder an Bedeutung gewinnt. Sie hat bereits vierhändige Klaviernoten ausgesucht, zum Beispiel für Tochter und Mutter. „Das finden alle, auch ich, unglaublich schön.“

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