Serie rund um die Überarbeitung des Berufsprofils 

Kurzporträts III: Was bedeutet Musik unterrichten?

Anicia Kohler, 31.03.2021

Was tun Instrumental- und Vokalpädagog*innen? Wie gestaltet sich ihr Alltag, wie sehen sie ihren Auftrag? Im Zuge der Überarbeitung der vor rund 15 Jahren entwickelten Dossiers «Berufsprofil» und «Leitbild»stellen wir dieses Jahr verschiedene Musiklehrpersonen ganz kurz vor.

Doris Farinotti
Doris Farinotti studierte am Conservatorio della Svizzera italiana in Lugano und schloss mit einem Bachelor of Arts in Music and Movement ab. Sie unterrichtet heute musikalische Früherziehung an verschiedenen Musikschulen im Tessin, gibt aber auch Einzelstunden – eine Kombination, die sie sehr schätzt. «Abwechselnd Gruppenunterricht und Einzelunterricht zu geben ist für mich sehr inspirierend. Ich kann meine Schüler*innen über eine lange Zeit begleiten, und so auch für Kontinuität in ihrer musikalischen Bildung sorgen. Und der Unterricht ist für mich sehr abwechslungsreich, ich kann kreativ sein und immer wieder Neues ausprobieren.» Nebst der Vermittlung musikalischer Inhalte ist es für Doris Farinotti auch sehr wichtig, ihre Freude und ihre Leidenschaft für die Musik weiterzugeben. Zudem sieht sie weitere wichtige Kompetenzen, die Musikunterricht in der Einzelstunde oder in der Gruppe fördern kann: «Die Musik ist ein Kommunikationsmittel. Und sie erlaubt es den Schüler*innen, ihr eigenes Innenleben und ihre Emotionen zu erforschen. Darin können wir Lehrpersonen sie begleiten.»

 

Oskar Boldre
Oskar Boldre verfügt über ein breites Erfahrungsspektrum mit Chorgesang – unter anderem bildete er sich bei Bernard Jaeger in Obertongesang aus. Er unterrichtet unter anderem an der Accademia Vivaldi in Muralto (TI), gründete in den letzten Jahren mehrere Chöre, und veröffentlichte 2020 das Lehrmittel «Giocando La Voce». «Meine Unterrichtspraxis basiert auf der Arbeit mit der Gruppe – für die Improvisation ist es sehr wichtig, eine Sensibilität füreinander und eine Beziehung miteinander aufzubauen», sagt er. Im Unterricht versucht Oskar so wenig wie möglich zu sprechen – und kann so problemlos Schüler*innen verschiedener Altersgruppen und Muttersprachen unterrichten. «Wenn man die Stimme als Instrument einsetzt, kann man sprachliche oder auch religiöse Hürden überwinden.» Zu den Attributen einer guten Lehrperson zählt Oskar Grosszügigkeit und Sensibilität für den individuellen Weg und das Talent der Schüler*innen. Gerade für den Chorgesang sieht er in Youtube & Co. keine Konkurrenz – das gemeinsame Singen bedingt die Anwesenheit im gleichen Raum.