Wie nutzen Musikschulen soziale Netzwerke? 
Mit Erfolg sozial vernetzt

Mit Erfolg sozial vernetzt

Anicia Kohler, 23.11.2021

Mehr als 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung sowie neun von zehn Unternehmen sind auf Social Media unterwegs. Was bedeutet dies für Musikschulen? Gespräche mit Schulleitenden, Lehrpersonen und Administrationsangestellten geben wertvolle Hinweise.

Im Februar 2021 lieferte Jean-Damien Humair eine erste Übersicht über die teilweise sehr intensive, fruchtbare Social-Media-Nutzung von Musikschulen in der Romandie. Auch in der Deutschschweiz ist ein Aufschwung spürbar. Immer mehr Musikschulen sind in sozialen Netzwerken aktiv, weisen auf Wettbewerbe hin und berichten von Konzerten. Die meisten haben ihre Konten, mehrheitlich auf Facebook und Instagram, erst vor wenigen Jahren oder Monaten eröffnet. Als Ziel wird übereinstimmend genannt, dass man dort präsent sein wolle, wo sich Menschen aufhielten – nämlich immer häufiger online. «Auf den Displays der Leute soll die Musikschule immer wieder auftauchen», sagt dazu zum Beispiel Ueli Kipfer, Schulleiter der Musikschule Oberemmental.

Social Media gehören ins Pflichtenheft
Eine häufige Frage ist die nach dem Zeitaufwand. Engagement auf sozialen Netzwerken bringt einen direkten Nutzen, davon sind laut der Studie «Social Media CH» immer mehr Unternehmen und Organisationen überzeugt. Dies funktioniert allerdings nur dann, wenn es ein Zeitbudget dafür gibt – Posten in der Freizeit ist passé. Nach anfänglichem freiwilligen Einsatz für die Musikschule Sissach werden zum Beispiel dem Trompetenlehrer Gregor Krtschek, der als Bandleader mehrerer eigener Bands über entsprechendes Know-How verfügt, die Stunden nun vergütet, die er in die Social-Media-Accounts der Schule investiert. Monique Blum von der Rondo Musikschule im Thurgau steht etwa ein halber Tag pro Woche zur Bewirtschaftung der verschiedenen Profile zur Verfügung.

Gutes, direktes Feedback
Das Feedback von Eltern und Schüler:innen auf die Präsenz auf Facebook und Instagram ist bei den befragten Schulen durchweg positiv. Isabelle Lehmann, stellvertretende Schulleiterin der Musikschule Biel und Social Media-Verantwortliche, erwähnt, dass ihre Schule dadurch neue Leute erreiche. Das Publikum sei bei den Konzertreihen und Grossveranstaltungen signifikant grösser geworden. Dies auch dank gesponserter Posts und zeitgleich veröffentlichten Zeitungsartikeln, die ebenfalls eine grosse Reichweite erreichten. Ueli Kipfer berichtet von einem Post über einen Wettbewerb, der sofort zu zwei Neuanmeldungen geführt habe, und Monique Blum hebt das Potential von Posts hervor, die von Familienangehörigen geteilt werden und so ebenfalls neue Interessent*innen erschliessen können.

Digitale und analoge Angebote Hand in Hand
Für alle Befragten ist klar, dass soziale Medien für sich allein nicht heilbringend sind, sondern dass im Zuge der Digitalisierung auch andere Massnahmen nötig werden. Bei mehreren Musikschulen gingen die Social Media-Profile fast gleichzeitig mit neuen Websites online. Die Musikschule Biel zum Beispiel setzte sich zum Ziel, ihre Zielgruppen mit einer attraktiven, zugänglichen Website zu erreichen – digitale Tools wie die Online-Anmeldung oder ein Reservationskalender für Anlässe sowie neue Schnupperangebote vor Ort tragen dazu entscheidend bei. Auch in Sissach wurde die Website neu gestaltet: «Gerade jetzt ist eine gute Website sehr wichtig», sagt Gregor Krtschek. Aber auch analoge Massnahmen wie sein neuer, sehr beliebter Signalhorn-Kurs, den er zusammen mit seinem ältesten Schüler entwickelt hat, zeigt einen positiven Werbeeffekt für Blasinstrumente und für die Musikschule allgemein. Das gleiche Ziel verfolgt auch die Musikschule Oberemmental, die mit einem neuen, dem Zeitgeist angepassten Angebot «Abo-Flex» sehr erfolgreich Erwachsene anspricht. «Wir müssen uns bewegen», lautete das Fazit dort nach einem internen Workshop. «Es ist nicht selbstverständlich, dass sich Schülerinnen und Schüler anmelden», sagt auch Krtschek. «Man muss Aufwand dafür betreiben – aber es lohnt sich.»