Bericht aus einer Musikschule 
Begeisterndens MKZ-Fiddle-Fest in der Zürcher Tonhalle am See

Begeisterndens MKZ-Fiddle-Fest in der Zürcher Tonhalle am See

Cristina Hospenthal, 13.07.2022

Rund 300 Geigen- und BratschenschülerInnen von Musikschule Konservatorium Zürich (MKZ) hatten am 6. Mai 2022 ihren grossen Auftritt. Unter der Leitung von Kevin Griffiths und mit der jungen Solistin Elea Nick präsentierten sie ein buntes Programm quer durch verschiedene Zeitepochen und Stile und machten damit beste Werbung für die hohen Streichinstrumente.

Wenn MKZ eine Grossveranstaltung plant, dann wird sie so richtig gross. Kein Wunder, zählt die Institution, die 2012 aus dem Zusammenschluss der Jugendmusikschule der Stadt Zürich und Zürich Konservatorium Klassik und Jazz hervorging, aktuell rund 25'000 Schülerinnen und Schüler und 600 diplomierte Lehrpersonen. Doch Grösse allein ist keine Qualität, sie ist vielmehr eine enorme Herausforderung. Dessen waren sich die Initiantin und Fachbeauftrage Ursula Schlatter, ihre mitorganisierenden Kolleginnen Crista Tacchella und Angelika Caspar sowie die mitwirkende Fachschaft Violine & Viola wohl bewusst und agierten in mehrfacher Hinsicht sehr geschickt.

Intrinsisch motivierte SchülerInnen
Das begann schon damit, dass niemand zur Mitwirkung verknurrt wurde. Alle 600 Geigen- und BratschenschülerInnen von MKZ erhielten eine Einladung zum Fiddle-Fest samt Noten. Wer dieser folgte, durfte auch gleich noch bestimmen, bei welchen Stücken er oder sie mitspielen wollte. Nicht immer blieb es dann allerdings bei der ersten Entscheidung. Kinder, die anfangs nur bei ein, zwei Stücken mitspielen wollten, liessen sich bei den Proben für weitere begeistern. 34 der 50 Lehrpersonen der Fachschaft Violine & Viola konnten so hoch motivierte Schützlinge auf den grossen Event vorbereiten. Mitgemacht haben schliesslich SchülerInnen aller Niveaustufen und Alterskategorien: Einsteigerinnen und Einsteiger im Kindergarten- und Schulalter, fortgeschrittene Teenager und einig paar wenige Erwachsenen.

Ehemalige und Fortgeschrittene als Vorbilder
Auch bei der Wahl des Dirigenten und der Solistin bewiesen die Organisatorinnen eine glückliche Hand. Dass der internationale renommierte Dirigent Kevin Griffiths (*1978) in seiner Jugend Geigenschüler am «Konsi» war und die erst 23-jährige, bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Geigerin Elea Nick die frühen Grundlagen ihrer Karriere an der Jugendmusikschule erworben hatte, dürfte bei den heutige SchülerInnen für zusätzliche Motivation und Inspiration gesorgt haben: So weit kann man es also bringen – Talent und fleissiges Üben vorausgesetzt. Bereits auf sehr gutem Weg befinden sich die fortgeschrittenen Streicherinnen und Streicher des Begabten-Ensembles «Stringendo» (Einstudierung: der mitspielende Ensemble-Leiter Jens Lohmann), welches die Begleitung der mit und ohne Verstärkung brillant aufspielenden Solistin übernahm. Besonders erfreulich und berührend war neben der spürbaren Begeisterung aller MusikerInnen beim Spielen auch ihr aufmerksames Zuhören, wenn sie gerade nicht an der Reihe waren.

Attraktives Programm mit breitem Spektrum
Streichinstrumente gelten gemeinhin als elitär und werden vorab mit klassischer Musik assoziiert. Das Programm des Fiddle-Fests zeigte indes auf eindrückliche Weise, wie vielfältig das Geigen- und Bratschenspiel bezüglich des Repertoires und der Besetzungen effektiv ist. So wurde in verschiedenen Formationen ein stilistisch breites Spektrum von Volksmusik aus aller Welt über Tango und Klassik bis hin zu Pop- und Filmmusik präsentiert. Eine Ad-hoc-Lehrerband (Jürg Luchsinger, Akkordeon; Alexander Boeschoten, Piano; Pascal Graf, Drums; Ana Hadorn, Kontrabass; Janos Knobel, E-Bass; Rebecca Ineichen, Cembalo) verlieh mit ihrer subtilen Begleitung dazu Fundament und Würze, wobei auch die Qualität der Arrangements positiv auffiel. Die klassisch ausgebildete Elea Nick zeigte keinerlei Berührungsängste. Neben ihrer brillanten Darbietung von Vivaldis «Der Sommer» aus den «Vier Jahreszeiten» spielte sie mit ebenso viel Hingabe «Viva la Vida» (Coldplay) und «Skyfall» aus dem gleichnamigen James-Bond-Film stilgerecht mit elektrischer Verstärkung. Das alles war allerbeste und just zum jetzigen Zeitpunkt sehr willkommene Werbung für die hohen Streichinstrumente, musste MKZ-Direktor Erich Zumstein doch erstmals eine Stagnation bei den Streicher-Anmeldungen feststellen – offenbar eine gesamtschweizerische Tendenz.

Verdiente Standing Ovations
Insgesamt war es ein grossartiger, berührender Anlass, bei dem alles zusammenpasste: Das Programm wirkte trotz aller Vielfalt wie aus einem Guss, die Schülerinnen und Schüler waren nicht nur bestens vorbereitet, sondern auch sehr diszipliniert. Die engagierten Lehrpersonen sorgten auf und hinter der Bühne diskret für einen reibungslosen Ablauf der verschiedenen, unterschiedlich besetzten Programmpunkte. Die kurzen Umstellungspause wurden von MKZ-Moderatorin Jasmin Haag mit einigen Hintergrundinformationen locker überbrückt. Und Kevin Griffiths überzeugte nicht nur als Dirigent, er erwies sich auch als ausgezeichneter Entertainer, der die jungen MusikerInnen und das Publikum gleichermassen in seinen Bann zu ziehen vermochte. Die Jüngsten konnten vor Begeisterung zuweilen kaum an sich halten und hüpften geigend im Takt der Musik – eine koordinative Glanzleistung, die wohl nur gelingt, wenn auch das Herz vor Freude springt. Am Ende hielt es auch das Publikum im vollbesetzten Saal nicht mehr in den Sesseln, und es gab hochverdiente Standing Ovations!

Video: Kevin Griffiths und Elea Nick

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