Abschiedsgespräch mit Christine Bouvard 
Mehr Zeit fürs Klavier

Mehr Zeit fürs Klavier

Anicia Kohler, 24.06.2022

Christine Bouvards Zeit als Präsidentin des VMS geht im Juni 2022 nach zwölf Jahren zu Ende. Mit ihrer Zweisprachigkeit, ihrem politischen Gespür und ihrer Fähigkeit, Menschen zu vernetzen und zusammenzubringen, prägte sie den Verband langfristig. Im Gespräch erzählt sie von Highlights und dem Klavier, dem sie sich nun bald wieder widmen kann.

Deine Zeit im VMS geht bald zu Ende. Was macht das mit dir?
Eigentlich bin ich noch stark drin, und gleichzeitig gibt es Dinge, die schon jetzt ohne mich weitergehen. Beides ist ok, ich kann gut abgeben. Ich bin gespannt – bald fällt etwas weg, das mein Leben während zwölf Jahren sehr intensiv geprägt und bestimmt hat, (lacht).

Erinnerst du dich an deine Anfänge im VMS?
Ich bin in einer wahnsinnig spannenden Zeit zum VMS gekommen. Man war damals mitten in den Vorbereitungen von grossen Gesprächen rund um die Initiative zum Verfassungsartikel 67a. Es ging sofort ums Vernetzen mit Politiker*innen, mit anderen Musikverbänden und um das Entwickeln einer gemeinsamen erfolgsversprechendenStrategie.

Als Präsidentin eines nationalen Verbands war der Föderalismus für dich bestimmt ein grosses Thema. Dass dieser Risiken mit sich bringt, ist allen bewusst – siehst du auch Chancen darin?
Ja, durchwegs. Nationale Rahmenkonzepte oder Grundlagen vom Bund können wir immer ausgestalten und kreativ allfällige Mängel wettmachen, etwas Eigenes daraus machen. Diese Möglichkeit wird oft unterschätzt. Wenn etwas zentralisiert organisiert ist, kann dem lokalen Geschehen nicht Rechnung getragen werden. Unsere Delegiertenversammlung bietet einen familiären Rahmen, so dass man hinhören und fragen kann, wie es die anderen Kantone machen. Man kann etwas Eigenes schaffen und sich trotzdem ein Echo von den anderen holen. Das sehe ich als Riesenchance.

So wie ich es einschätze, war der politische Anteil deiner Arbeit sehr hoch.
Ja, die Vernetzung mit Parlamentarier*innen, mit Menschen aus anderen Kantonen, mit anderen Musikverbänden war ein grosses Thema. Aber auch der pädagogische Anteil ist nicht zu unterschätzen. Politische Schritte können erst dann stattfinden, wenn es eine gut vorbereitete und mehrheitsfähige pädagogische Untermauerung gibt.

Gibt es etwas, was für dich heraussticht? Etwas, was dich stolz macht, dass der VMS es erreicht hat?
Es gab natürlich sehr viele schöne Erlebnisse. Prägend war sicher die Initiative und die daraus erfolgten Ergebnisse für die Breitenförderung, und nun für die Begabtenförderung. Ganz allgemein beeindruckt mich im VMS das Commitment für die gemeinsame Sache. Es ist stark spürbar – sowohl von der Basis als auch vom Vorstand und insbesondere auch von der Geschäftsstelle, die alle herausragende Arbeit leisten.

Magst du einen Einblick in deine Zukunft geben?
Ich bleibe im Rahmen von Mandaten im politischen und musikalischen Umfeld tätig. Die Musik wird einen grösseren Platz bekommen, auch wieder aktiver – mein Klavier ist ein bisschen verstaubt (lacht). Und ich möchte nochmals studieren. Seit meiner Jugend interessiere ich mich für den Nahen Osten und möchte deshalb gerne Judaistik und Nahostpolitik studieren..

In der nächsten Ausgabe erscheint ein Gespräch mit Philippe Krüttli, der an der Delegiertenversammlung zum neuen Präsidenten gewählt wurde.