Michael Pelzel am Ultraschallfestival  
Im Schmelztiegel

Im Schmelztiegel

Friederike Kenneweg, 25.02.2015

Das Berliner Festival im Hebbeltheater am Ufer widmete dem vielgereisten Schweizer Komponisten ein Porträtkonzert.

Ein halbes Jahr ist Michael Pelzel jetzt schon als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Berlin. Grund genug für das Ultraschallfestival Berlin, ihm ein Porträtkonzert zu widmen. Unter der Leitung von Johannes Kalitzke präsentierte das Klangforum Wien am 23. Januar drei gross besetzte Ensemblewerke Pelzels. Und zudem soll ein Mitschnitt des Konzerts als Porträt-CD in der Edition Zeitgenössische Musik des Deutschen Musikrates erscheinen. Es läuft also gut in Berlin für den Schweizer Komponisten, der schon im Jahr 2011 den Busoni-Preis der Akademie der Künste verliehen bekam. Bei der damaligen Preisverleihung lobte der Laudator Enno Poppe die Fähigkeit Pelzels, unterschiedlichste Einflüsse in etwas Persönliches zu verwandeln. Von dieser Eigenschaft zeugte einmal mehr das Konzert im Berliner Hebbeltheater am Ufer.
Auf der offenen Black-Box-Bühne waren nicht nur Streicher und Holzbläser, sondern auch drei Perkussionisten mit verschiedenstem Gerät sowie ein präpariertes Klavier und eine Celesta aufgebaut. Mit eindrucksvoller Dynamik präsentierte das Klangforum das erste Stück, ... along 101 ..., aus dem Jahr 2008, in dem Michael Pelzel sich auf musikalische Weise der berühmten amerikanischen Westküstenstrasse Highway 101 widmet. Wie auf einer abwechslungsreichen Fahrt türmen sich in diesem Stück die Klänge des Ensembles auf zu dichten Wolken, Bildern, Flächen. Tatsächlich scheinen Anklänge an amerikanische Volksmusik durchzudringen – kurz tönt das vielleicht nach Country, nach Blaskapelle, doch schon ist man an dieser Stelle der Strasse vorbeigerauscht.

Auch in ... sentiers tortueux ... aus dem Jahr 2007, zu Deutsch etwa «verschlungene Pfade», wähnt sich der Zuhörer auf einer wechselvollen Reise. Wieder entstehen sehr dichte Klangflächen, die das gesamte Ensemble mit einbeziehen, um wieder auszudünnen und die Feinheiten der einzelnen Instrumentengruppen hervorzukehren – der im Sechsteltonabstand gestimmten zwei Klaviere oder der wie im Nichts verebbenden Holzbläser.

Pelzels Variantenreichtum und seine Fähigkeit, aus dem Ensemble ganz ohne elektronische Hilfsmittel die unterschiedlichsten Klangfarben herauszuholen, kamen auch im letzten Stück Sempiternal Lockin (2012–14) zur Geltung. Darin verarbeitet er eine weitere Reiseerfahrung, nämlich die von einem Stipendienaufenthalt in Südafrika. Dort lernte er die besondere Spieltechnik des Lock in kennen, einer speziellen Art, Perkussionsinstrumente mit mehreren Personen gleichzeitig zu spielen, so dass in den Obertönen weitere Rhythmen hörbar werden. Auch in Sempiternal Lockin bewies Michael Pelzel seine Fähigkeit, so unterschiedliche Einflüsse wie die Eindrücke aus Afrika mit seiner Liebe zur Musik des 19. Jahrhunderts zusammenzubringen. Abwechslungsreich, dicht, flächig und doch zuweilen fein entstand auch hier das Bild einer sich stetig verändernden Landschaft. Das Stück mündete in einem eindrucksvollen, geradezu pompösen Finale, das die Zuhörer sprachlos und staunend über diese ganz eigene, vielseitige Tonsprache zurückliess. Das Publikum spendete dem Porträtierten begeistert Applaus. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, welche Abdrücke der Stipendienaufenthalt in Berlin in der Musik Pelzels hinterlässt, in diesem Schmelztiegel, der so Unterschiedliches miteinander zu verbinden vermag.
 


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