Silbermann, Metzler, Mathis und Co. 
Erster Basler Orgelspaziergang

Erster Basler Orgelspaziergang

Matthias Wamser, 08.09.2015

Der von konzertierenden Organistinnen und Organisten organisierte Rundgang machte Mitte August auf den spirituellen und künstlerischen Reichtum in vier Kirchen aufmerksam.

Der erste Basler Orgelspaziergang versammelte am 15. August 2015 in vier Kirchen der Basler Altstadt jeweils zwischen 110 und 260 Interessierte. Er wurde vom Verein KVOB organisiert: Diese Abkürzung steht für «Konzertveranstaltende OrganistInnen in Basel», die sich 2013 als Verein konstituiert haben, um 2014 ein zweiwöchiges Basler Orgelfestival durchzuführen. Beim Basler Orgelspaziergang handelt es sich nicht etwa nur um eine Nachahmung des Berner oder Zürcher Modells, sondern um den Versuch, in reduziertem Umfang an den grossen Erfolg des Orgelfestivals anzuknüpfen. Beide Veranstaltungsformen – Festival und Spaziergang – sollen in Zukunft regelmässig durchgeführt werden.

Der Orgelspaziergang möchte nicht nur die vielseitige Basler Orgellandschaft erfahren lassen, sondern auch auf den spirituellen und künstlerischen Reichtum der Kirchen aufmerksam machen, er bietet also eine Verbindung von Architektur, Kunst, Musik und Stadtgeschichte. Die Kunsthistorikerin Helene Liebendörfer erläuterte kompetent und kurzweilig Geschichte und Bedeutung der vier Kirchen, die für die erste Ausgabe des Spaziergangs ausgewählt worden waren.

In der Predigerkirche, in der die Gottesdienste der Christkatholischen Gemeinde und viele Veranstaltungen der Schola Cantorum Basiliensis stattfinden, können vier grundverschiedene und höchst charakteristische Orgeln bestaunt werden. Jörg-Andreas Bötticher, musikalischer Hausherr und Professor an der SCB, stellte drei davon vor: Die Schwalbennest-Orgel über dem Lettner, die historische italienische Orgel, für die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Chorraum liefen, so dass sich bereits innerhalb der Kirche ein kleiner Orgelspaziergang ergab, und die 1978 von der Firma Metzler rekonstruierte Silbermann-Orgel, an der Bötticher im Stil der französischen Klassik improvisierte.

Auf der viermanualigen Mathis-Orgel im Münster spielte Münsterorganist Andreas Liebig neben Werken von Johann Sebastian Bach, Max Reger und Charles-Marie Widor auch zwei zeitgenössische Kompositionen: Eine meditative eigene Choralbearbeitung über eine aus Norwegen stammende Melodie sowie – zum 80. Geburtstag des Komponisten – die Chaconne von Aulis Sallinen, ein kontrastreiches Stück, in dem durch prägnante Gesten und ausgedehnte Generalpausen in besonders eindrücklicher Weise die Weite des spätromanischen bzw. gotischen Raums erfahrbar wurde.

Am Nachmittag standen zwei ehemalige Klosterkirchen auf dem Programm, die beide im Lauf ihrer langen Geschichte erheblich verkleinert wurden. In der St.-Alban-Kirche feiert heute die Serbisch-Orthodoxe Gemeinde ihre Gottesdienste. Die 1966 erbaute Metzler-Orgel wird daher nur selten öffentlich gespielt, steht jedoch der Basler Musikschule für Unterrichtszwecke zur Verfügung. Das Instrument wurde in diesem Jahr durch den Basler Orgelbauer Michael Klahre revidiert, wobei der sehr direkte Klangcharakter auf Wunsch der Auftraggeber unangetastet blieb. Nicoleta Paraschivescu spielte die allseits bekannte Toccata und Fuge BWV 565, das von Vivaldi inspirierte Voluntary d-Moll op. 5/8 von John Stanley sowie die Symphonie Concertante von Guillaume Lasceux, einem Zeitgenossen der Französischen Revolution.

In der Basler Waisenhaus- bzw. Kartäuserkirche steht seit 1994 die originalgetreue Kopie einer genau 300 Jahre zuvor von Arp Schnitger für die Hamburger Waisenhauskirche erbauten, später nach Grasberg bei Bremen umgesetzten Orgel. Stilecht und sehr farbig erklangen hier Werke von Samuel Scheidt, Andreas Kneller, Peter Mohrhart, Matthias Weckmann und Dietrich Buxtehude, vorgetragen von Stefan Beltinger.

Am Ende des Orgelspaziergangs durfte Tobias Lindner, der Präsident des Vereins KVOB, zu Recht auf den sehr erfolgreichen Verlauf der Veranstaltung hinweisen und den zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, von denen einige aus dem Elsass, aus Baden und aus Bayern angereist waren, für ihr Interesse danken. Bereits jetzt wird an der Vorbereitung des zweiten Basler Orgelspaziergangs gearbeitet, der am 13. August 2016, also wieder am letzten Samstag der Sommerferien, stattfinden soll. Ausserdem wird der Verein KVOB im August und September 2016 wieder ein Basler Orgelfestival durchführen; dabei werden die Orgelwerke des mit Basel sehr verbundenen Max Reger (1873-1916) einen thematischen Schwerpunkt bilden.


Kommentare

* Pflichtfelder

Neuer Kommentar
Ihr Beitrag wird nach redaktioneller Prüfung veröffentlicht.