MKZ: Eröffnungsfeier an der Florhofgasse 6 
Wieder daheim

Wieder daheim

Niklaus Rüegg (Text und Fotos), 01.06.2016

1899 wurde der «Florhof» in Zürich für die Musikschule errichtet. Das ist in einem eingemauerten Dokument verbrieft. Am 27. Mai 2016 wurde die Rückkehr ins ehemalige Stammhaus gefeiert.

Fast alles, was in der zürcherischen musikalischen Bildungswelt Rang und Namen hat, versammelte sich letzten Freitag im alten/neuen Florhof. Anlässlich des Kaufs des unter Schutz stehenden Gebäudes durch die Stadt zuhanden der Musikschule wurde ein «facelift» nötig. Dieser ist vollends geglückt. Majestätisch und zugleich freundlich wirkt das bald 120-jährige Haus, erbaut vom Architekturbüro Kehrer und Knell im Stil der historistischen Neorenaissance, welcher damals in Zürich als chic galt. Bei der grossen Renovation 1987 wurde bereits die Voraussetzung für die heutige Nutzung geschaffen. Rund 800 zusätzliche Quadratmeter netto wurden der alten Gebäudehülle abgetrotzt. Heute stehen für den Unterricht, neben den Administrations- und Direktionszimmern der Musikschule Konservatorium Zürich (MKZ), 43 Musikzimmer, zwei Ensembleräume, ein kleiner und ein grosser Saal zur Verfügung.

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Der Präsident der Förderstiftung Andrea Raschèr bei der symbolischen Schlüsselübergabe an die Stadträte Gerold Lauber (links) und André Odermatt, sekundiert durch Cristina Hospenthal

Noch-Direktorin Cristina Hospenthal durfte einen ehemaligen und zwei aktuelle Stadträte begrüssen. Gerold Lauber vom Schul- und Sportdepartement gab in seiner Ansprache einen Abriss über die Bau- und Schulgeschichte. André Odermatt (Vorsteher Hochbaudepartement), selber ehemaliger Musikschüler im Florhof, verlieh seiner «wahnsinnigen Freude» über die geglückte Sicherung des Gebäudes für die MKZ Ausdruck. Besonders hervorgehoben wurde die Anwesenheit des ehemaligen Stadtrats und jetzigen Präsidenten der Tonhalle-Gesellschaft Martin Vollenwyder, der neuerdings auch als Stiftungsratspräsident des Schweizerischen Jugendmusikwettbewerbs amtet.

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In seiner Festansprache hob der Präsident der Förderstiftung MKZ Andrea Raschèr deren breite Förderungspolitik hervor, die vom Klassenmusizieren bis zur Spitzenförderung reicht.

Von der Qualität dieser Spitze konnten sich die geladenen Gäste beim Vortrag des Cellokonzerts in e-Moll von Edward Elgar mit dem Solisten Samuel Niederhauser (siehe nebenstehendes Bild) überzeugen. Niederhauser, Preisträger der besagten Stiftung, zog überlegen alle Register, die ihm als jungem Künstler zur Verfügung stehen. Zuvor lotete das Jugend Sinfonieorchester Zürich unter der Leitung von David Bruchez-Lalli die formidable Akustik des Grossen Saals in einer bis in die Fortissimi plastischen und transparenten Interpretation der Hebriden-Ouvertüre von Felix Mendelssohn aus.

 

  

Der Kreis schliesst sich

Die Musikschule Zürich feiert dieses Jahr ein stattliches Jubiläum. Vor 140 Jahren wurde der Unterrichtsbetrieb im Haus zum Napf aufgenommen. Kapellmeister Friedrich Hegar (1841–1927) aus Basel, unter anderem Leiter des Orchesters und des Gemischten Chores Zürich, stellte gemäss Festschrift (Das neue/alte Haus, Konservatorium und Musikhochschule Zürich, Zürich 1987, Red. Markus Müller) zur Einweihung des renovierten Konservatoriums-Gebäudes «für sein Verbleiben in Zürich die Bedingung, dass eine Musikschule gegründet werde». Hegars Bedingung wurde akzeptiert. Als Trägerschaft wurde 1876 die Stiftung «Musikschule in Zürich» ins Leben gerufen und Hegar als Leiter des neuen Instituts bestellt. Im selben Jahr ging’s bereits los mit dem Unterricht. Von Anfang an gab es zwei Abteilungen, die «Dilettantenschule» und die «Künstlerschule»; in den Zwanzigerjahren wurden sie in «Allgemeine Musikschule» und in «Berufsschule» umbenannt.

Die räumlichen Verhältnisse im Haus zum Napf wurden bald nach Beginn zu knapp und man hielt Ausschau nach einem geeigneten Grundstück zur Errichtung eines eigenen Gebäudes. Dieses wurde 1899 an der Florhofgasse gefunden. Von der ersten Planung bis zur Aufnahme des Unterrichts vergingen inklusive eines mehrmonatigen Streiks der Steinmetze knapp zweieinhalb Jahre – eine rasante Leistung.

1956 wurde das Konservatorium, wie es ab 1907 geheissen hatte, in «Konservatorium und Musikhochschule» umbenannt. Schleichend verlagerte sich das Schwergewicht der Ausbildung, nicht zuletzt im Zuge der Gründung zahlreicher Jugendmusikschulen in der Region, in Richtung Berufsausbildung. 1999 erfolgte die Fusion mit dem Konsi Winterthur und ein Jahr später entstand die Hochschule Musik und Theater Zürich, 2007 schliesslich die ZHdK. Der Florhof war längst zu eng geworden und mit dem Umzug des Departements Musik ins Toni-Areal wurde 2014 das ehrwürdige Gebäude wieder frei fürs Konsi, das inzwischen seinerseits mit der Jugendmusikschule Zürich zu MKZ fusioniert hatte. Mit dem Kauf wurde auch der Nutzungszweck festgelegt: Der Florhof darf die nächsten 30 Jahre nur für die Musikschule verwendet werden.

Der Kreis hat sich auf wundersame, doch nicht selbstverständliche Art geschlossen: «Es war kein Spaziergang», seufzt Direktorin Cristina Hospenthal, doch dank dem unermüdlichen Einsatz aller Beteiligten in Verbindung mit der wohlwollenden Gesinnung des Zürcher Stadtrats und schliesslich des Souveräns, konnte die Stadt Zürich das Gebäude erwerben. An der Urne wurde das Vorhaben vor Jahresfrist mit 74 Prozent Ja-Stimmen gutgeheissen. Die Kosten inklusive sanfte Renovation beliefen sich auf 30 Millionen Franken.

In den Grundfesten des Florhofs liegt das Vermächtnis der Bauherren für immer eingemauert: «Das Gebäude, in dessen Grundstein das vorliegende Schriftstück niedergelegt wurde, ist in den Jahren 1899–1900 für die Musikschule in Zürich errichtet worden».

 


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