chor.com vom 12. bis 15. September in Hannover 
Branchentreff der Chorszene

Branchentreff der Chorszene

Anna E. Fintelmann , 18.09.2019

Rund 2500 Fachteilnehmerinnen und -teilnehmer besuchten die chor.com, den grössten deutschsprachigen Anlass für Vokalmusik.

In Zeiten zurückgehenden ehrenamtlichen Engagements ist es nicht selbstverständlich, dass sich im September während vier Tagen Chorleiter, Ausbildnerinnen, Vereinsträger und nicht zuletzt Sängerinnen in Hannover einfanden, um über Fragen der Chorarbeit zu diskutieren. Standen in zahlreichen der rund 180 Workshops chorspezifische Themen im Mittelpunkt (Popchorleitung, Kinderchorarbeit, Complete Vocal Technique, Standup Composing, Reading Sessions zu neuer Literatur), wurden in überraschend vielen Arbeitsgruppen Fragen zur Vereins- und Verbandsarbeit gestellt. So diskutierte die Deutsche Chorjugend über cleveres Lobbying für die eigene Sache: Vielerorts ist der öffentliche Zuspruch unbestritten, geht jedoch (noch) nicht mit einer auch nur annähernd ausreichenden finanziellen Unterstützung einher – trotz des mantraartig wiederholten Wortes vom «gesellschaftlichen Zusammenhalt», den Vereine mit ihrer Kulturarbeit bieten.

Mehr Unterstützung für Chorleitende gefordert

Theo Geissler, Herausgeber der Neuen Musikzeitung NMZ, fragte: «Ist den Chorleiterinnen und Chorleitern noch zu helfen?» Im Podiumsgespräch mit diesem Titel, u. a. mit Kevin Breitbach vom Internationalen Chorleiterverband und Nelli Holzki vom Schwäbischen Chorverband, wurden vermehrte Anstrengungen der Trägerschaften gefordert. Die vielfältigen Management- und Bildungsaufgaben müssten gemeinsam geschultert und – wo nötig – Mandate für grosse Projekte ausser Haus vergeben werden.

Immer wieder wurde in den angeregten und ernsthaften Debatten deutlich: Der Nachwuchs ist längst an der Arbeit und bereit, die bisherigen, z. T. veralteten Strukturen zu übernehmen und mit zeitgemässen Ideen und Kommunikation zu bereichern.

Konzertprogramm vom Juwel bis zur Rarität

Die mehr als 10 000 Konzertbesucher hatten die Qual der Wahl; an vier Abenden waren 35 Veranstaltungen in Kirchen und Sälen der Stadt vorgesehen. Bereits der Eröffnungsabend zeigte die Bandbreite vokalen Musizierens: Ein klassisches Motettenprogramm des NDR-Rundfunkchors (Leitung Klaas Stok) mit Werken von Johann Sebastian Bach und Johannes Brahms verzückte das Publikum in der Neustädter Hof- und Stadtkirche und liess nur den Wunsch zurück, es mögen sich stets Menschen zusammentun, diese Musik zu musizieren. Im Theater am Aegi zeigten derweil Maybebop und Unduzo, wie unterhaltsamer A-cappella-Pop auf hochmusikalische Weise geht.

Eine Kuriosität hatten die Mitglieder des Jugendchors der Hochschule für Musik und Theater Hannover und des Mädchenchors der Berliner Sing-Akademie vorbereitet. Unter der kundigen Leitung von Friederike Stahmer zeigten sie die «Alterssünde» Des Esels Schatten von Richard Strauss, eine in Vergessenheit geratene Jugendoper des Komponisten für seinen Enkel, der am Gymnasium in Ettal um seine Versetzung bangte und den Schulleiter damit zu besänftigen suchte.

Weiterbildungsangebot und Netzwerktreffen

Erstmals war die hiesige Chorszene durch einen Messestand der Schweizerischen Chorvereinigung vertreten. Am frei zugänglichen Forum im Congress Centrum Hannover waren Austauschmöglichkeiten mit Schweizer (Jugend-)Chören, Arbeitsmöglichkeiten als Chorleiterinnen und -leiter sowie Chorliteratur besonders nachgefragt; dankenswerterweise lag ein von Johannes Meister zusammengestelltes Konvolut aktueller Schweizer Chorkompositionen und -arrangements vor.

«Die chor.com ist eine einzigartige Plattform, bei der sich die Chorszene in ihrer ganzen Vielfalt begegnet. Menschen kommen zusammen, tauschen sich aus und lernen voneinander. Die chor.com ist Knotenpunkt und Wegweiser für die wachsende internationale Vokalmusik. Sie wirkt in unsere Gesellschaft hinein und ist als Format ebenso grossartig wie unverzichtbar», betonte Christian Wulff, der Präsident des Deutschen Chorverbands.

Deutschlandfunk Kultur begleitete zahlreiche Veranstaltungen, die nun zum Nachhören bereitstehen: dlfkultur.de


Die nächste chor.com findet vom 23. bis 26. September 2021 in Hannover statt.
 


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