Das Sinfonieorchester Basel spielte mit der Orchesterschule Insel 
Primarschüler neben Profis

Primarschüler neben Profis

Verena Naegele, 13.02.2020

Das Konzert am 5. Februar im Musicaltheater Basel bildete den Höhepunkt einer langjährigen Aufbauarbeit. Zusammen mit Kindern der Orchesterschule Insel bot das Sinfonieorchester Basel ein üppiges Programm mit einigem Risikopotenzial.

Zuerst spielte das Sinfonieorchester unter Chefdirigent Ivor Bolton Teile aus Beethovens Prometheus-Ballett, zu denen Kinder im Primarschulalter tanzten, dann folgten ein paar kurze Stücke, dargeboten von den Kleinsten der Orchesterschule Insel. Und zum Abschluss musizierte das Sinfonieorchester «Side-by-Side» mit Kindern Beethovens Musik zu einem Ritterballett. Als Dirigent agierte kein Geringerer als der Weltklassepianist Lars Vogt, der seit Jahren mit seinem Projekt Rhapsody in School Erfolge feiert.

Der Abend im gut besuchten Musicaltheater Basel war das Resultat einer langjährigen Zusammenarbeit des Sinfonieorchesters mit Musikpädagogin Dorothee Mariani: Vor sieben Jahren gründete sie im mit Nationalitäten kunterbunt gemischten Schulhaus Insel in Kleinbasel eine Orchesterschule. Seither können dort Kinder zwischen 8 und 12 Jahren ein Streichinstrument erlernen, und zwar mit Unterstützung des Sinfonieorchesters Basel, das regelmässig seinen Geiger László Fogarassy an die Schule schickt.

Am Konzert zeigten rund fünfzig Kinder ihr Können und ihr gewonnenes Konzentrationsvermögen auf der Bühne und anschliessend im Publikum. Erstaunlich, mit welcher Akribie und Feinfühligkeit die Kinder auf der Bühne zur fulminant gespielten Prometheus-Musik agierten.
 

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Tanz, Gesang und Orchesterspiel

Die Choreografin Rebecca Weingartner, die seit November 2019 mit den Kindern probte, hat wahrlich eine Meisterleistung hingelegt. Gemäss dem Niveau und Alter der ganz in Schwarz gekleideten Kinder waren drei Gruppen zu erleben, die im Rhythmus der Musik Kopf, Körper und Arme bewegten oder auf der Bühne «herumschwirrten». Hochkonzentriert, der Musik folgend und ohne «Aussetzer» absolvierten die kleinen Akteurinnen und Akteure die mit Auftritten und Abgängen gespickte Choreografie zur mitreissenden Musik.

Die anschliessend unter der Leitung von Dorothee Mariani gespielten und gesungenen kurzen serbischen, albanischen, ukrainischen und schottischen Stücke zeigten, wie steinig der Weg von den Anfängern zu den Fortgeschrittenen ist und wie sehr sich das Musizieren entspannte, nachdem sich einige Musiker des Sinfonieorchesters unter die Kinderschar gemischt hatten. War das nun ein gutes oder ein schlechtes Omen für das, was folgen sollte?

Der künstlerische Direktor Hans-Georg Hoffmann, der locker und witzig durch den Abend führte, schwärmte jedenfalls schon mal vom bevorstehenden Ritterballett. Er unterhielt sich angeregt mit zwei Musizierenden, mit dem Bratschenspieler Fabian und Chukwu Cherem, deren Schwester Happyness am Cello bereits im Orchester sass und sich auf das «Side-by-Side»-Abenteuer konzentrierte.

Seit August 2019 hatte Dorothee Mariani die fortgeschrittensten Kinder mit Hilfe von László Fogarassy vorbereitet. «Die Kinder gerade einer solch multinational ausgerichteten Primarschule sollen Kontakt mit den Streichinstrumenten haben», meinte Fogarassy zu seinem Engagement. «Die Disziplin, die es braucht, um hochstehende Konzerte spielen zu können, bleibt bei den Kindern im Gedächtnis.»

Lars Vogt, der in zwei Proben dem «Insel-Sinfonieorchester», bestehend aus den Profis und den Kindern, den letzten Schliff vermittelte, zeigte sich begeistert von der Arbeit und dem Resultat. In der Tat war es berührend, mit welcher Freude und Musizierlust das bunt gemischte Orchester Beethovens Ritterballett-Musik unter seiner schwungvollen Leitung zum Besten gab.

Damit war aber noch nicht Schluss, denn Vogt spielte zusammen mit dem Sinfonieorchester Basel anschliessend noch das 5. Klavierkonzert von Beethoven, packend und dramatisch, aber auch lyrisch und feinsinnig. Ein gelungener Abschluss, dem die Insel-Kinder – nunmehr im Publikum, wo auch viele Angehörige sassen – erstaunlich ruhig und gespannt lauschten. Fast zwei Stunden ohne Pause dauerte der Abend. Eine hohe Konzentrationsleistung und die gelungene Kombination eines Education-Projekts mit der Generalprobe des Orchesters, das anschliessend mit diesem Programm auf Tournee geht – ohne Kinder, dafür mit Schauspieler Peter Simonischek als Erzähler.
 

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Orchesterschule Insel unter der Leitung von Dorothee Mariani

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