CAS-Studie an der Hochschule Luzern – Musik 
Langzeitwirkung von Musikschulunterricht

Langzeitwirkung von Musikschulunterricht

Georges Regner , 24.08.2018

Viele ehemalige Musikschülerinnen und -schüler sind als Erwachsene nicht mehr musikalisch aktiv. Ist also ein Instrumental- und Gesangsunterricht, der darauf abzielt, möglichst viele Kinder und Jugendliche zu erreichen, als Bildungsinvestition nachhaltig?

Der Bericht des Bundesamtes für Statistik über das Kulturverhalten in der Schweiz (Eine vertiefende Analyse – Erhebung 2008, Neuchâtel 2011) stellt fest: «In der Schweiz spielt jede fünfte Person ein Musikinstrument» und ergänzt, dass fast die Hälfte der Schweizer Bevölkerung (47 %) eine nichtberufliche Musikausbildung von mindestens einem Jahr absolviert hat. Daraus ergibt sich, dass immerhin rund 43 % der ehemaligen Musikschülerinnen und -schüler später weiterhin musizieren.

Die Investition öffentlicher Gelder lässt sich jedoch nicht alleine durch die musikalische Aktivität im Erwachsenenalter rechtfertigen, sondern primär durch den Gewinn an Musikalität und Kultur. Wenn die ehemaligen Schülerinnen und Schüler vermehrt und bewusst Musik hören, tragen sie zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Musiktradition sowie zu deren Verbreitung bei.

Die CAS-Studie (Hochschule Luzern – Musik) Langzeitwirkung des instrumentalen und vokalen Unterrichts an Musikschulen untersuchte die Nachhaltigkeit des Musikunterrichts anhand einer Stichprobe von Personen, die im Schuljahr 2004/2005 an der Musikschule Olten eingeschrieben oder Mitglieder der Jugendmusik waren. Insgesamt haben 99 von 491 eingeladenen Personen an der Befragung teilgenommen.

Im Vergleich zur oben erwähnten Bundesstatistik über das Kulturverhalten in der Schweiz ist mit 63 % ein grösserer Anteil der ehemaligen Schülerinnen und Schüler noch heute musikalisch aktiv. Es ist auch bemerkenswert, dass 8 % der an der Umfrage teilnehmenden Personen heute mit Musik ihr Geld verdienen. Es sind allerdings vor allem Musikinteressierte, die sich befragen liessen.
 

Musizieren mit Freunden macht den Unterschied

Von den Teilnehmenden waren 80 % im Schuljahr 2004/2005 Mitglied eines Ensembles; die meisten von ihnen (66 %) spielten in einem Ensemble der Musikschule oder in der Jugendmusik, der Rest mit Freunden oder der Familie.

Die Ensembleaktivität an der Musikschule ist per se kein Indikator für späteres Musizieren, allein oder mit anderen. Bei Personen, die bereits im Schulalter im privaten Kreis mit Freunden und Familienmitgliedern Musik gemacht haben, ist die Wahrscheinlichkeit jedoch gross, dass sie es auch als Erwachsene tun, denn Musizieren mit Freunden entspringt einer besonderen intrinsischen Motivation, die im Erwachsenenalter fortbesteht. Dies spricht nicht dagegen, Ensembles an der Musikschule selber zu fördern, doch auch die Schaffung von Infrastruktur (Proberäume) oder Auftrittsmöglichkeiten für private Bands und Ensembles dürften die Nachhaltigkeit des Musikunterrichts erhöhen.

Der Musikunterricht als Teil der Ausbildung hat bei den Teilnehmenden einen grossen Rückhalt: 90 % gaben an, dass sie bei Gelegenheit ihren eigenen Kindern den Unterricht an der Musikschule ermöglichen wollen: ein starkes Votum für dessen Wichtigkeit.

Gemäss den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Studie beschränkt sich der Nutzen des Musikunterrichts nicht nur auf musikalische Kompetenzen: Der Erwerb von Disziplin und Konzentration wurde fast so häufig genannt wie das Erlernen von musikpraktischen Fertigkeiten und musiktheoretischen Kenntnissen. Darüber hinaus bezeichneten sie die musikalische und kulturelle Bildung, die Auftrittskompetenz und die Fähigkeit zur Fokussierung als wichtige Beiträge des Instrumentalunterrichts zu ihrer persönlichen Entwicklung.
 


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