Grosser Erfolg mit einfacher Idee 
Wenn das junge Publikum nicht ins Konzert kommt ...

Wenn das junge Publikum nicht ins Konzert kommt ...

Urs Berger, 06.06.2013

... kommt das Konzert zu ihm. Händels «Messiah» durchdringt und begeistert die Sekundarschule Oberwil/Biel-Benken.

Allerorten suchen Veranstalter nach Konzertgästen, vor allem auch jüngeren. Der Studienchor Leimental hatte nun mit einer ganz einfachen Idee grossen Erfolg. Für die Aufführung von Georg Friedrich Händels Messiah hielt der Chor die Schlussproben in der Sekundarschule Oberwil/Biel-Benken (BL) ab: Da übte ein Trompeter im Entree, während gleichzeitig Schülerinnen an ihm vorbeigingen, als sei es das Normalste der Welt. Durch die Aulafenster sah man dem Orchester zu, quer über das Pausenareal ertönte schwach das Halleluja, tauchten Händels Arien die trüben Frühlingstage in etwas Wärme. Die Bedürfnisse der Schule und der Musiker fanden problemlos nebeneinander Platz. Und die interessierten Schülerinnen und Schüler erhielten «en passant» Einblick in den Probenalltag von Solisten und Orchester.

Für jene 7. Klasse, die mit ihrem Musiklehrer Daniel Vuilliomenet den Halleluja-Chor einstudiert hatte, wurden zwei Sonderproben angesetzt. Es war das erste Mal, dass sie sich an einem vierstimmigen Chorsatz versuchten. Der Komplexität wegen wurde oft zur laufenden CD geprobt. So gewannen die Kinder Sicherheit für die schwierigen Einsätze. An der ersten Probe mit Studienchorleiter Sebastian Goll stellten sie sich registergetrennt zu den erschienenen Mitgliedern des Chors. Ohne viel Federlesens wurde begonnen. Zwischendurch stellten Musiker des Barockorchesters L’arpa festante ihre Instrumente vor, die Barocktrompete, die Theorbe, das Cembalo, das Orgelpositiv, die Oboe meist auch mit einer Kostprobe aus der entsprechenden Literatur. Dann ging es wieder ans Halleluja. Um die Struktur des Stücks transparent zu machen, liess Sebastian Goll einzelne Instrumentengruppen allein spielen: Wo variieren die Motive, wo überlappen sie sich, wann tauchen sie erneut auf? Der Einbezug von kurzweiligen, rhythmischen Elementen begleitete das Singen, machten Struktur und Dynamik des Halleluja für die Kinder körperlich erfahrbar. Sebastian Goll liess auch immer wieder Persönlichkeit und Leben Händels durch Anekdoten und Episoden farbig auferstehen.

In der zweiten Probe rief er nochmals die Bilder wach, die er choreografierend erarbeitet hatte. Verlangt waren gespreizte Arme zum Choreinsatz, sprechende Münder zu den leiseren Halleluja-Wiederholungen. «Ihr dürft diese Bewegungen natürlich nicht am Konzert machen, müsst sie aber im Herzen tragen und man soll euch die Freude ansehen, muss spüren, dass ihr diese Musik lebt!» Auch einige Gemeindepolitikerinnen waren erschienen. Eine meinte nachher, sie habe tatsächlich gespürt wie die Musik von innen heraus gekommen sei; fantastisch diese fröhlichen Gesichter, der Spass an der Musik.
Während dreier Tage lag Musik in der Luft der Sekundarschule und brachte vielfältige und positive Erfahrungen. Eine Mutter mailte: «Die gemeinsame Arbeit an diesem grossen, schönen Projekt motiviert und freut unseren Sohn enorm. Das Konzert ist momentan zuhause omnipräsent.» Dass schliesslich auch das Publikum in ungeahntem Mass in den Musiksaal des Basler Stadtcasinos strömte, sei nur nebenbei erwähnt …

Bildlegende
«Halleluja»: Die Struktur der Musik körperlich erfahren
 


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