Veröffentlichung im renommierten Journal of Neuroscience 
Musikunterricht beeinflusst kindliche Hirnaktivität

Musikunterricht beeinflusst kindliche Hirnaktivität

PM/Codex flores, 14.08.2014

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg und der Universität Graz haben untersucht, wie sich das frühe Erlernen eines Musikinstruments langfristig auf die Gehirnentwicklung von Kindern auswirkt.

Bekommen beide Ohren dieselbe Information, arbeiten die rechte und die linke Hörrinde des Gehirns bei musikalisch geübten Kindern praktisch synchron. Bei untrainierten Kindern geraten sie minimal aus dem Takt, bei Kindern mit ADHS konnten die Wissenschafter in ihrer aktuellen Studie sogar eine markante Zeitverschiebung zwischen beiden Hirnhälften feststellen.

Diese Entdeckung könnte erklären, warum auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen, ADHS und Lese-Rechtschreib-Schwäche häufig gemeinsam auftreten, erklärt Annemarie Seither-Preisler vom Institut für Psychologie der Uni Graz, eine der Autorinnen der Studie, die Resultate. Einige der Probleme der betroffenen Kinder dürften auf eine unzureichende Zusammenarbeit beider Hemisphären zurückzuführen sein, mit negativen Folgen für Aufmerksamkeit, rasche Sprachverarbeitung sowie die Lese-Rechtschreibfähigkeit.

Das Team stellte überdies fest, dass die graue Substanz der Hörrinde bei musikalisch aktiven Kindern etwa um die Hälfte grösser ist als bei den übrigen Altersgenossen. Eine Langzeitbeobachtung ergab, dass diese Hirnregion bereits vor dem musikalischen Training eine ganz bestimmte Form und Grösse aufwies und sich über die Zeit nicht mehr veränderte.

Als nächsten Schritt möchte das Team erforschen, ob sich auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen mittels neurologischer Messungen im Gehirn frühzeitig diagnostizieren lassen.

Originalartikel:
Annemarie Seither-Preisler, Richard Parncutt, and Peter Schneider. Size and Synchronization of Auditory Cortex Promotes Musical, Literacy, and Attentional Skills in Children. The Journal of Neuroscience, 13 August 2014, 34(33): 10937-10949; doi: 10.1523/JNEUROSCI.5315-13.2014
 


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