Forschungen des Musik-Lab am Lehrstuhl für Neuropsychologie der UZH 
Neue Erkenntnisse zum Absoluten Gehör

Neue Erkenntnisse zum Absoluten Gehör

PM/Codex flores, 07.01.2015

Neuropsychologen der Universität Zürich (UZH) haben bei Absoluthörern eine enge funktionelle Kopplung zwischen dem Hörkortex im Gehirn und dem Stirnhirn festgestellt. Ein Befund, der nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch von Bedeutung ist.

In einer aktuellen Studie des Musik-Lab am Lehrstuhl für Neuropsychologie der UZH unter der Leitung von Lutz Jäncke sind mit absolut hörenden Musikern Befunde erzielt worden, die gemäss Erstautor Stefan Elmer eine neue Sicht auf die zugrunde liegenden psychologischen und neurophysiologischen Prozesse eröffnen. Sie vereint zwei entgegengesetzte Erklärungsansätze für das Phänomen.

Eine Erklärungslinie geht davon aus, dass Absoluthörer die Töne bereits auf einer sehr frühen Stufe der Tonverarbeitung kategorisieren, Töne gleich wie Sprachlaute verarbeiten und diese bestimmten Kategorien zuordnen. Diese These geht damit davon aus, dass die Töne bei Absoluthörern bereits im primären und sekundären Hörkortex verarbeitet werden. Eine andere Theorie postuliert, dass Absoluthörer die unbewusste Zuordnung von Tönen zu Gedächtnisinformationen besonders gut beherrschen; diese Zuordnungen werden vor allem im oberen Stirnhirn, im dorsalen Frontalkortex, vorgenommen.

In seiner Studie kann Stefan Elmer nun zeigen, dass der linksseitige Hörkortex und der linksseitige dorsale Frontalkortex funktionell bereits im Ruhezustand stark gekoppelt sind. Bei Absoluthörern sind die neurophysiologischen Aktivitäten im Frontal- und Hörkortex synchronisiert, was auf eine enge funktionale Kopplung schliessen lässt. Diese Koppelung begünstigt laut Elmer einen besonders effizienten Informationsaustausch zwischen dem Hörkortex und dem dorsalen Frontalkortex bei Absoluthörern.

Originalartikel:
Stefan Elmer, Lars Rogenmoser, Jürg Kühnis und Lutz Jäncke: «Bridging the gap between perceptual and cognitive perspectives on absolute pitch». The Journal of Neuroscience, 6. Januar, 2015. doi: 10.1523/JNEUROSCI.3009-14.2015
 

 


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