Experimente der TU Berlin, der McGill Universität und der Université de Montréal  
Musikerlebnisse sind kulturell geprägt

Musikerlebnisse sind kulturell geprägt

PM/Codex flores, 09.01.2015

Forscher der TU Berlin, der McGill Universität und der Université de Montréal sind mit Experimenten mit Pygmäen der Frage nachgegangen, ob emotionale Reaktionen auf Musik weltweit universell gleich sind. Die Resultate sind eher ernüchternd.

In einem Experiment ist einer Gruppe von isoliert lebenden Mbenzélé-Pygmäen in Kongo, die zuvor noch nie Kontakt mit westlicher Musik und Kultur gehabt haben, und einer Gruppe von Kanadiern jeweils die Musik der Pygmäen und die westliche Musik vorgespielt worden. Den kanadischen Probanden wiederum war die Musik der Pygmäen gänzlich unbekannt.

Bei den Probanden wurden die physiologischen Parameter Hautleitwert sowie Herz- und Atemrate gemessen. Gleichzeitig sollte jede Versuchsperson beurteilen, welche subjektive emotionale Wirkung die Musik bei ihr hervorruft. In einem computerbasierten Diagramm gaben die Hörerinnen und Hörer dazu über ein Smartphone an, ob das vorgespielte Musikstück sie positiv oder negativ gestimmt hat und ob die Musik beruhigend oder erregend/stimulierend wirkte.

Während die Pygmäen die Musik aus ihrer Kultur immer als positiv und erregend erlebten, konnten keine Ähnlichkeiten in den Reaktionen der westlichen Hörer auf diese Musik beobachtet werden. Die Musikausschnitte, die auf die westlichen Hörer erregend wirkten, führten hingegen auch bei den Pygmäen zu einer Erhöhung des subjektiven Erregungsgrades.

Die Auswertung der Daten legt den Schluss nahe, dass die subjektive emotionale Wirkung der Musik eher kulturspezifisch, also davon beeinflusst ist, welche kulturelle Bedeutung die Musik hat, mit der man aufgewachsen ist. Ob ein Musikstück subjektiv als fröhlich oder traurig, feierlich oder romantisch ankommt, sei individuell, schreiben die Forscher. Die Universalität der Musik scheine eher die Parameter Erregung und Beruhigung zu betreffen, was anhand der gemessenen physiologischen Parameter habe nachgewiesen werden können.

Originalartikel: http://journal.frontiersin.org/Journal/10.3389/fpsyg.2014.01341
 


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