Studie des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik 
Selbsteinschätzung beim Musizieren

Selbsteinschätzung beim Musizieren

PM/SMZ_WB, 17.06.2021

Wie schätzen wir unser musikalisches Können ein? Welche Rolle spielt die Selbsteinschätzung bei der Musikausbildung? Solchen Fragen ist ein Team des Frankfurter Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik und Unis von New York und Hamburg nachgegangen.

Alle Studienteilnehmerinnen (Sopranistinnen) sangen einzeln in einem Studio «Happy Birthday» ein. Anschliessend sollten sie sich Aufnahmen ihrer eigenen Gesangsdarbietungen sowie der ihrer Kolleginnen anhören und bewerten. Als Bewertungsmassstab diente die Tonhöhengenauigkeit, also die Fähigkeit, die Töne zu treffen.

Aus der Bewertung der Teilnehmerinnen durch ihre Kolleginnen leitete das Forschungsteam ein statistisches Modell ab. Anhand dessen konnten sie feststellen, wie gut eine Sängerin andere sowie ihre eigene Leistung bewertete. «Die Ergebnisse zeigen, dass die Sängerinnen bei der Selbsteinschätzung erstaunlich ungenau waren. Die meisten überschätzten ihre eigenen Leistungen», resümiert Erstautorin Pauline Larrouy-Maestri vom Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik.

Darüber hinaus beobachtete das Team, dass eine Sängerin, die hinsichtlich der Tonhöhengenauigkeit besser abschnitt, sich selber auch besser einschätzte. Diese Erkenntnis überrascht, da Experten in der Regel dazu neigen, ihre eigenen Fähigkeiten in ihrem Fachgebiet zu unterschätzen.

Die Studie unterstreicht damit nicht nur, dass selbst professionelle Sängerinnen und Sänger ihre eigenen gesanglichen Leistungen nicht unbedingt richtig einordnen. Sie deutet auch darauf hin, dass die Selbsteinschätzung ein Schlüsselfaktor für die Entwicklung aussergewöhnlicher musikalischer Fähigkeiten sein kann.

Originalpublikation:
Larrouy-Maestri, P., Wang, Z., Vairo Nunes, R. und Poeppel, D. (2021). Are you your own best judge? On the self-evaluation of singing. Journal of Voice. Advance online publication. https://doi.org/10.1016/j.jvoice.2021.03.028


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