Nochmals Tempofragen 

Reaktion von Jean-Claude Zehnder

Jean-Claude Zehnder, Basel (erstveröffentlicht am 30.3.2022), 27.04.2022

Erschienen in Schweizer Musikzeitung 4/2022, Seite 22, im Rahmen von: «Nochmals Tempofragen» - Drei Reaktionen zur Replik von Thomas Leininger, Sven Schwannberger und Jörg-Andreas Bötticher, «Vita brevis – oder: Ein Schlag ist ein Schlag» (SMZ 3/2022), und zum Interview mit Bernhard Ruchti, «Ich liebe es, langsam zu spielen» (SMZ 1_2/2022).

Ähnlich wie Bernhard Ruchti fühle ich mich glücklich, zufrieden bei einem ruhig pulsierenden Musiktempo. Seit Jahren oder Jahrzehnten stehen sich die beiden «Parteien» unversöhnlich gegenüber. – Geht es wirklich darum, wer «recht» hat? Die Regierungen haben uns seit zwei Jahren deutlich gezeigt, wie viel sie uns vorschreiben können. Ich bin echt froh darüber, dass ich in Sachen Tempo kein Diktat annehmen muss.

Es ist kaum wegzudiskutieren, dass viele Allegro-Tempi in der Alte-Musik-Szene am obersten Limit angekommen sind. Sollen wir wirklich glauben, dass dies einer historischen Wahrheit entspricht? Dass die Anhänger der Doppelschlagtheorie von den Autoren Leininger, Schwannberger und Bötticher mit dem Attribut «bedenklich» bedacht werden, gehört zur kämpferischen Sprache, die in der Politik heute – leider – Alltag ist, aber in der Musik tunlichst vermieden werden sollte.


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