Zentralbibliothek reagiert auf geändertes Nutzungsverhalten 
Aus für Solothurner Musikbibliothek

Aus für Solothurner Musikbibliothek

PM/Codex flores, 04.05.2020

Der Stiftungsrat der Zentralbibliothek Solothurn schliesst die Abteilung Musikbibliothek per Ende Mai. Veränderte Hör- und Nutzungsgewohnheiten sowie knappe finanzielle Ressourcen machten diesen Schritt notwendig, schreibt der Kanton.

Veränderte Hör- und Nutzungsgewohnheiten bewirkten beim Bibliothekspublikum eine immer stärkere Verlagerung vom physischen zum digitalen Musikkonsum mit Download und Streaming. Die Nutzung der Musikbibliothek lag laut der Mitteilung des Kantons in jüngster Vergangenheit noch etwa bei einem Viertel gegenüber ihrer besten Nutzung (2005: 99'388 Ausleihen, 2019 mit leicht veränderter Erfassung: 22’632).

Dies bewog den ZBS-Stiftungsrat, die Weiterführung der Musikbibliothek zu überprüfen. Die zunehmende Kostenverlagerung in den IT-Bereich und in Bibliotheksverbunds-Lösungen hatte zudem eine einschneidende Reduktion des Medienkredits zur Folge: Dieser liegt aktuell mit 180'000 Franken weit (52.1 Prozent) unter dem langjährigen Durchschnittswert der Medienausgaben von rund 376'000 Franken. Vor diesem Hintergrund rang sich der Stiftungsrat dazu durch, die Musikbibliothek auf Ende Mai aufzuheben. Einzig Musikalia, die im Kanton, zu kantonalen Themen oder von Solothurner Kunstschaffenden kreiert werden, werden im Rahmen des kantonalen Sammelauftrags weiterhin als sogenannte Solodorensia gesammelt.

Die Schliessung hat auch Folgen für das Personal: Zwei Personen verlieren ihre Stelle (je ein Pensum von 20 Prozent). Eine Weiterbeschäftigung in der ZBS ist nicht möglich, es werde jedoch nach Lösungen gesucht.


 

Foto: Raysydney / wikimedia commons CC BY-SA 3.0

  • Huber / Franz am 06.05.20 - 09:28

    Schliessung der Musikbibliothek Solothurn

    Ein grosser Verlust für Musikerinnen, Musikliebhaber, Schüler, Seniorinnen – für alle, welche die Musikbibliothek schätzten und benutzten. Es wird auf MP3-Angebote verwiesen. Diese können nie den Hörgenuss einer CD oder einer Schallplatte ersetzen. Und die Beratung durch die fachkundigen Mitarbeitenden der Musikbibliothek wird in Zukunft entfallen. Ein äusserst bedauerlicher Kulturabbau – kulturelle Grundangebote wie Bibliotheken, die von der öffentlichen Hand getragen werden, sollten nicht "rentieren" müssen. Ihr Nutzen kann nicht allein an Ausleihzahlen festgemacht werden. Sie sind "Dritte Orte", an denen sich Menschen ohne Konsumzwang begegnen und z.B. Neues über Musik erfahren können. Und dass die Zentralbibliothek zwei Mitarbeitenden kündigt, ausgerechnet in der Corona-Zeit, ist höchst unsensibel.


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