38. Schweizerischer Jugendmusikwettbewerb 
Der SJMW ist angekommen

Der SJMW ist angekommen

Niklaus Rüegg, 06.06.2013

Der Schweizerische Jugendmusikwettbewerb wird übernächstes Jahr 40. Bereits heute kann man sagen: Die Veranstaltung hat sich in jeder Hinsicht prächtig entwickelt. Ergebnisse und Eindrücke des jüngsten Klassikfinales Anfang Mai in Bern.

Eine breite Einbettung, gute Akzeptanz, ein zeitgemässer Medienauftritt mit neuer Webseite und Facebook-Profil, ausreichende Finanzen, die erfolgreiche Lancierung des Rock/Pop-Jazz-Wettbewerbs, ein hohes Niveau – der Schweizerische Jugendmusikwettbewerb ist dort angekommen, wo er immer schon hin wollte. Er ist ein nicht mehr wegzudenkender Leuchtturm der musikalischen Spitzenförderung und fest im Bewusstsein aller Anspruchsgruppen verankert. Der im Jahr 2012 zum ersten Mal ausgetragene Wettbewerb Pop/Rock und Jazz ist hervorragend angekommen. Ende August findet das zweite Finale wiederum im Moods in Zürich statt. Über die Hälfte der Finalisten in der Sparte Jazz haben interessanterweise bereits einmal am Klassikwettbewerb teilgenommen.

Solide Finanzierung
Sicher muss jedes Jahr wieder für die Finanzierung gearbeitet werden. Private Sponsoren, auch Hauptsponsoren, schliessen ihre Verträge auf ein bis drei Jahre ab. Auch die «Öffentliche Hand» kann keine Dauerfinanzierung garantieren, das ist bekannt. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass jeweils ein ausreichendes Polster zustande kommt, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Zu den Unterstützern gesellte sich jüngst neben den Kantonen auch der Bund. Gemäss der Kulturbotschaft des Bundes für die Jahre 2012 – 2015 gehört der SJMW zu den Institutionen, die für eine Subventionierung in Frage kommen. Für 2012 wurde bereits ein namhafter Betrag gesprochen; bis vorerst 2015 wird das mit grosser Wahrscheinlichkeit auch wieder so sein. Das Gesamtbudget des SJMW ist mit 680 000 Franken relativ bescheiden. Es ist bewundernswert, dass mit diesen Mitteln Jahr für Jahr so grossartige Veranstaltungen organisiert werden können.

Hohes Niveau – viele Preise
Da nicht jedes Jahr alle Instrumente zum Wettbewerb zugelassen sind, können die Zahlen nur bedingt miteinander verglichen werden. Die am häufigsten vorkommenden Instrumente werden traditionell alternierend angeboten. Dieses Jahr waren das Klavier, die Gitarre und das Blech an der Reihe. Das Finale bestritten mit 276 Teilnehmenden rund 30 mehr als vorletztes Jahr, hingegen einiges weniger als 2012 (354). Total wurden 272 Preise vergeben (Solo 132, Kammermusik 140), davon 32 erste Preise mit Auszeichnung und 101 erste Preise. 60 Musikerinnen und Musiker durften einen Sonderpreis entgegennehmen.
Wie zu erwarten war, haben die Pianistinnen und Pianisten mit Abstand am meisten Preise (71) geholt. Darunter waren 24 erste Preise, davon acht mit Auszeichnung. 21 Preise gingen an die Gitarre: Neun erste Preise (zwei mit Auszeichnung) lassen auch hier auf ein hohes Niveau schliessen. Einen Schwerpunkt beim Blech bildet das Horn mit 17 Preisen.

Ensemble rückläufig
Jedes Jahr stehen alle Ensemblekategorien auf dem Programm. Die Anmeldezahlen sind hier allerdings rückläufig. Dieses Phänomen widerspiegle die Situation an den Musikschulen, meint Valérie Loher, Geschäftsführerin des SJMW. Die Kammermusik habe bei den Jungen in letzter Zeit leider etwas an Attraktivität eingebüsst. Auch in Deutschland sei dieser Trend zu beobachten. Sämtliche Ensembles zusammen genommen (Duos freies Repertoire/Ensembles freies Repertoire/Duos Neue Musik/Duos Alte Musik/Ensembles Alte Musik/Blockflötenensembles) kommen immerhin auf 44 Preise. Fast alle dieser Auszeichnungen gehen auf das Konto der Duos und Ensembles mit freiem Repertoire (38).
Gemäss der Aufteilung nach Kantonen häufen sich die Auszeichnungen in Zürich (60), beiden Basel (51), Tessin (30), Waadt (26), Genf (20) und Aargau (18).

Entwicklungssprünge in der Spielart
Die Solokategorien haben erneut zugelegt. Das Niveau ist bei den Pianisten gegenüber 2011 noch einmal deutlich gestiegen. Erstaunlich war, dass es in der Kategorie IV (17 bis 20) ausser einer Pianistin ausschliesslich Pianisten gab. In früheren Jahren waren immer die Teilnehmerinnen in der Überzahl. Die Jungen haben offensichtlich Boden gut gemacht.
Verblüfft zeigten sich die Juroren auch von den Vorträgen bei Gitarre und Blech. Vor allem die Kleinsten überraschten. Nicht nur das Niveau werde immer beeindruckender, auch die Spielart habe sich gewandelt, stellte Janek Rosset, Präsident der Fachkommission, fest. Alles sei lauter und demonstrativer geworden und gehe manchmal auf Kosten der Feinheiten. Die Juroren machten es sich nicht leicht, hier angemessene Massstäbe anzulegen. Wer seine Spielart nicht als Selbstzweck vorführte, sondern in den Dienst des Stückes stellte, hatte die besten Chancen, gut beurteilt zu werden. Rosset zeigte sich beim Klavier und bei der Gitarre, vor allem von der Kategorie I (Alter von acht bis elf), tief beeindruckt. Das fantastische spielerische Niveau verbinde sich bereits bei den Jüngsten mit einem starken persönlichen Ausdruck. Auch in den älteren Kategorien sei bei der Gitarre eine immense Entwicklung festzustellen.

Die Habitués, der Jüngste und die Pianistin
Es gibt eine beträchtliche Anzahl von Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die das Finale schon mehr als ein Mal erreicht haben. Eine Ausnahmeerscheinung unter diesen «Wiederholungstäterinnen» ist zweifellos die junge Sena Bielander (Jahrgang 2002). Sie hat in Bern in der Kategorie I für ihren Klaviervortrag einen ersten Preis errungen, war aber zuvor schon zwei Mal Finalistin – auf dem Cello. Die drei «Grenacher-Sisters» Seraina, Elina und Luana – alle drei Gitarristinnen – sind seit Jahren dabei und landeten jedes Mal im Finale. Elina (Kat. IV) und Seraina (Kat. III) haben dieses Jahr beide einen ersten Preis gewonnen.
Den Anerkennungspreis für den jüngsten Erstpreisträger mit Auszeichnung holte sich der achtjährige Organist Nathan Hubov. Nathan ist ein Phänomen auf der Orgel, einem Instrument, das normalerweise von kleinen Kindern nicht gespielt werden kann. Er sei eigentlich immer noch zu klein dafür, gesteht er, «aber ich will es unbedingt».

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Pianistin An-Chi Lee

Die vierzehnjährige Pianistin An-Chi Lee hatte schon zwei Mal gewonnen, im Jahr 2011 gar einen ersten Preis mit Auszeichnung. Dieses Jahr ist sie in der Kategorie III angetreten und hat einen zweiten Preis errungen; das liegt bestimmt nicht an einer «schlechteren» Leistung, doch die Konkurrenz wird mit zunehmendem Alter eben grösser. An-Chi erzählt in breitem Berndeutsch von ihrem künstlerischen Werdegang. Die Taiwanesin hat im Alter von vier Jahren in ihrem Heimatland mit dem Klavierspiel begonnen, «bei einer hervorragenden Lehrerin», wie sie betont. Im Alter von sieben kam ihre Familie in die Schweiz. Alle zwei Wochen reist sie in Begleitung ihrer Mutter zu ihrem Lehrer an der Musikhochschule Hannover. Sie geht in Bern zur Schule und wird im Sommer ans Gymnasium wechseln: «Ich möchte den Schweizer Pass», strahlt sie und lässt sich nach ihrem Finalbeitrag mit Beethoven, Messiaen und Liszt von ihren Klassenkameradinnen feiern. Sie übt etwa drei bis vier Stunden pro Tag: «Ich übe nicht viel, ich übe langsam.» An-Chi weiss noch nicht genau, was sie einmal werden will: «Aber scho öppis mit Musig».

 

Finale Rock/Pop-Jazz-Wettbewerb:
29. August bis 1. September 2013 im Moods, Zürich.

SJMW 2014:
Entradas 28. bis 30. März
Finale in Lausanne: 8. bis 11. Mai

Resultate und weitere Informationen: www.sjmw.ch

Bildlegende Titelfoto:
Julia Püntener (15) und Chantal Hischier (14) freuen sich über ihren ersten Preis auf der Doppelpedalharfe.


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