CD-Rezension: Jürg Frey, Piano music 
Psychologische Kunst

Psychologische Kunst

Torsten Möller, 05.12.2013

CD-Rezension: Jürg Freys subtile Klavierklänge, sensibel umgesetzt, bringen die Zeit zum Stillstand.

Gute Musiker kennen das: Schwer sind nicht schnelle Läufe oder wuchtige Akkordsprünge. Schwer ist das Dezente und Diskrete. Der Aargauer Jürg Frey pflegt beides. Seine behutsam ausgesuchten Klänge scheinen ein Eigenleben zu führen ohne grössere Eingriffe des Komponisten. Hochabstrakt klingt das, vielleicht auch steril in manchen Ohren. Wer sich aber einmal eingelassen hat, wer sich, wie der Booklet-Autor William Robin empfiehlt, mit gutem Kopfhörer und einem Glas Whiskey hingesetzt hat – der wird belohnt mit höchster und sympathischer Kunst.

Die zwei Stücke füllen etwas mehr als eine Stunde. Spätestens seit Henri Bergson ist bekannt, dass Zeit relativ ist. Wenn Frey in seinem Klavierstück 2 die Zeit füllt mit der Wiederholung einer Quarte in Form von 468 Anschlägen, dann klingt das so wenig nach Avantgarde wie nach besonderen Vorkommnissen. Das Besondere aber geschieht im Kopf. Karlheinz Stockhausen oder Bernd Alois Zimmermann haben sich recht theorielastig beschäftigt mit Zeitfragen. Frey macht das auf seine Art. Undogmatisch, geradeheraus, hoch konzentriert kommt Zeit zum Stillstand. Das stete Kommen und Gehen, Klingen und Verklingen ist letztlich kompositorische wie psychologische Kunst.

Mit dem Pianisten R. Andrew Lee fand Jürg Frey einen kongenialen Partner. Höchste Klangsensibilität vereint er mit der nötigen Balance zwischen Freiheit und Kontrolle. Diese CD mit einem ausgezeichneten (englischen) Booklet und einem der Musik wunderbar entsprechenden Cover, sei jedem ans Herz gelegt, der einen guten Kopfhörer hat. Denn eines verträgt diese heikle Musik nicht: Störungen durch die zu laute Umwelt.

Les tréfonds inexplorés des signes pour piano 24
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Jürg Frey: Piano music (Klavierstück 2, Les tréfonds inexplorés des signes pour piano 24–35). R. Andrew Lee, Klavier. Irritable Hedgehog Music IHM 006


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