Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2019 
Genfer Produktion von Saint-Saëns’ «Ascanio» geehrt

Genfer Produktion von Saint-Saëns’ «Ascanio» geehrt

PD/SMZ, 04.10.2019

Die Jury der Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik zeichnete 11 Aufnahmen aus. Darunter befindet sich die Aufnahme von Saint-Saëns’ Oper «Ascanio» unter der Leitung von Guillaume Tourniaire. Mit von der Partie waren neben dem jungen Solistenensemble Chor und Orchester der Musikhochschule Genf sowie der Chor der Genfer Oper.

Am 4. Oktober hat der Preis der deutschen Schallplattenkritik die Jahrespreise 2019 bekannt gegeben. Er schreibt in seiner Mitteilung: «134 Titel sind von der Gesamtjury vorgeschlagen worden, 129 davon schafften es auf die Longlist, 11 wählte der Jahresausschuss für einen Preis aus. Die Bandbreite der Stile und Genres reicht von Symphonik über Pop, Soul, Jazz, Oper und zeitgenössische Elektronik bis hin zu Chor- und Weltmusik.»

Wiederentdeckung eines Meisterwerks

Eine der Auszeichnungen geht an die Genfer Ascanio-Produktion. Michael Stegemann, Jurymitglied, begründet die Auswahl wie folgt: «Dreizehn Opern hat Camille Saint-Saëns komponiert, bekannt war lange Zeit nur Samson et Dalila. Inzwischen gibt es immerhin sechs weitere auf CD. Der Dirigent Guillaume Tourniaire hatte sich schon 2008 mit dem Einakter Hélène als ein engagierter und kompetenter Saint-Saëns-Interpret profiliert. Mit dieser Aufnahme der 1890 in Paris uraufgeführten fünfaktigen Oper Ascanio ist ihm nun die mitreissende, quellengenaue Wiederentdeckung eines Meisterwerks gelungen. Ausgezeichnet agieren die jungen Solisten des Ensembles, grossartig Chor und Orchester der Genfer Musikhochschule. Erfahrbar wird die ganze Bandbreite des Opernkomponisten Saint-Saëns: Tableaus im Stile der Grand Opéra stehen neben bald lyrischen, bald dramatischen Arien und Szenen, die vokal ebenso vielfältig sind wie die raffinierte Farbigkeit des Orchesters. In der fast halbstündigen Ballettmusik lässt Saint-Saëns immer wieder Originalmusik des 16. Jahrhunderts anklingen: Ascanio – nach einem Roman von Alexandre Dumas – ist quasi die Fortsetzung des Benvenuto Cellini von Berlioz.

Weitere Jahrespreise 2019

Ausgezeichnet (die qualitative Einschätzungen stammen von der Jahrespreis-Jury) wurden weiter

  • die Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla, ihr City of Birmingham Symphony Orchestra und die Kremerata Baltica für die hochexpressive Interpretation der Sinfonien  op. 30 und 152 von Mieczysław Weinberg (Deutsche Grammophon)
  • der Komponist und Pianist Reinbert de Leeuw und das Collegium Vocale Gent für die betörend radikale Zweiteinspielung der Via Crucis von Franz Liszt (Alpha Classics)
  • das GrauSchumacher Piano Duo und das Experimentalstudio des SWR für die Realisierung der Komposition Le temps, mode d’emploi von Philippe Manoury, Auftragskomposition der Wittener Tage für neue Kammermusik (Neos)
  • Martin Elste und Carsten Schmidt für die Edition 2000 Jahre Musik auf der Schallplatte. Alte Musik anno 1930. Eine diskologische Dokumentation zur Interpretationsgeschichte (Wiener Gesellschaft für Historische Tonträger)
  • Émile Parisien und sein Émile Parisien Quartet für das hinreissende Album Double Screening (Act)
  • die Perkussionistin Marilyn Mazur und ihre Band Shamania für die ausserordentlich weltläufige und grenzgängerische Gemeinschaftsproduktion Shamania (RareNoise)
  • Adrian Quesada und Eric Burton alias die Soulband Black Pumas für ihr suchterregendes Debüt-Album Black Pumas (Ato Records)
  • die österreichische Formation Bilderbuch für das beste Geschenk des Jahres: Vernissage My Heart (Maschin Records)
  • Bruce Springsteen für die schwelgerischen dreizehn Songs von Western Stars (Sony)
  • BaoBao Chen und Tim Cole sowie die rund fünfzig Musikerinnen und Musiker von den vom steigenden Meeresspiegel bedrohten pazifischen Inseln, die gemeinsam das einzigartige Album Small Island Big Song produziert haben (CDBaby)

Die Jurybegründungen sind zu finden unter
https://www.schallplattenkritik.de/jahrespreise
 
 

Camille Saint-Saëns: Ascanio
Jean-François Lapointe, Bernard Richter, Ève-Maud Hubeaux, Jean Teitgen, Karina Gauvin, Clémence Tilquin, Chœur du Grand Théâtre de Genève, Chœur et Orchestre de la Haute école de musique de Genève, Guillaume Tourniaire
3 CDs, B-Records LBM 013 (Note 1)


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