Dokumente zu Leben, Werk und Umfeld des Komponisten werden maschinenlesbar 
Joachim-Raff-Archiv online

Joachim-Raff-Archiv online

Katrin Spelinova, 12.12.2019

Ab sofort sind Teile des Lachner Raff-Archivs online recherchierbar. Die Betaversion des schweizweit einzigartigen Portals wird laufend ausgebaut. Es orientiert sich an den internationalen Standards der «Digital Humanities».

Online gestellt und geteilt ist heute ruckzuck. Etwas anderes ist es, das Internet mit sinnvollen Inhalten zu bestücken und diese mit den heutigen Möglichkeiten der Technik nutzbar zu machen. Genau das tut das Joachim-Raff-Archiv in Lachen. Am 10. Dezember wurde in den Archiv-Räumlichkeiten am oberen Zürichsee das portal.raff-archiv.ch vorgestellt. Seit Herbst 2018 besteht an Joachim Raffs (1822–1882) Geburtsstätte das umfangreichste Kompetenzzentrum zu Leben und Werk des auch in Lachen aufgewachsenen Komponisten. Die vorhandenen Bestände werden laufend ergänzt und von Anfang an so systematisiert und erfasst, dass sich die daraus ergebenden Datensätze für die Online-Präsentation eignen. Inzwischen sind rund 350 Werke, 2300 Postsachen, 1350 Personen und 150 Institutionen mit Bezug zu Raff in der Betaversion greifbar.

Es gibt heute öffentlich zugängliche Standards, nach denen Fliesstexte so kategorisiert werden, dass sie maschinenlesbar werden und sich automatisch zu anderen Texten in Bezug setzen lassen. Je mehr Material auf diese Weise vernetzt wird, umso vielfältiger und überraschender werden die Einsichten, die sich daraus ergeben. Das Portal wird so gleichsam zu einer Art Superhirn, das alle Inhalte stets präsent hat und alles mit allem verknüpft. In den Geisteswissenschaften wird – vereinfacht gesagt – die Arbeit mit Kodierungssystemen als «Digital Humanities» bezeichnet. Sie bietet hinsichtlich der Erschliessung von Zusammenhängen zwischen Figuren, Werken und Institutionen fast unerschöpfliches Potenzial. Raff sei denn auch ein idealer Ausgangspunkt für den Aufbau einer solchen Datenbank, meinte das Projektteam, verfügte er doch in seiner Zeit über ein riesiges Netzwerk, das in Tausenden Briefen und anderen Schriftstücken sehr gut dokumentiert ist, seit vielen Jahren systematisch gesammelt von der Raff-Gesellschaft.

An der Pressekonferenz sprach Res Marty, Präsident der Joachim-Raff-Gesellschaft, von einem historischen Tag. Er bedankte sich nachdrücklich beim wissenschaftlichen Team, das dieses Projekt mit viel Herzblut und Fronarbeit und in bester deutsch-schweizerischer Zusammenarbeit innert kurzer Zeit so weit gebracht habe: Neben Severin Kolb, dem Leiter des Joachim-Raff-Archivs Lachen, gehören dazu Stefan König und Dennis Ried, beide vom Max-Reger-Institut in Karlsruhe und letzterer zuständig für das Forschungsdatenmanagement beim Raff-Portal. Nick Pfefferkorn, Leiter des Verlags Breitkopf & Härtel, mit dem das Raff-Archiv eng zusammenarbeitet und der gegen Ende der Pressekonferenz dazu kam, brachte es abschliessend auf den Punkt: Das Projekt sei eine Pionierleistung.
 

Link zum ausführlichen Pressedossier

Darin wird das Projekt detailliert beschrieben und in den internationalen Zusammenhang gestellt. Weiterführende Angaben verweisen auf die wissenschaftlichen Grundlagen.


Mit freundlicher Genehmigung der Joachim-Raff-Gesellschaft

 

Link zum Pressedossier (PDF)

Image
Online-Portal des Joachim-Raff-Archivs
Screenshot vom 14. Januar 2020

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