4. Schweizer Kinder- und Jugendchorfestival 
Jugendchorgesang im Aufwind

Jugendchorgesang im Aufwind

Niklaus Rüegg, 06.06.2013

Frei von Castingstress und Wettbewerbsdruck haben sich vom 10. bis 12. Mai 2013 in und um St. Gallen 50 Festivalchöre mit rund 1500 jungen Sängerinnen und Sängern aus der ganzen Schweiz zur grossen Gesangsparty getroffen. Weitere 650 Kinder nahmen am «SingplausCH» teil.

Das Chorsingen ist im Kommen. Das demonstrierten über 2000 Kinder und Jugendliche am 4. Schweizer Kinder- und Jugendchorfestival (SKJF). Extra für das Festival wurde im Athletikzentrum ein gigantischer Konzertraum für 2500 Zuschauerinnen und Zuschauer geschaffen. Dort fanden die beiden grossen Festivalkonzerte, der «SingplausCH» sowie die Eröffnungs- und Schlusskonzerte statt. Es gibt keine Aufnahmekriterien beim SKJF, bloss die Bedingung, dass alle Teilnehmenden drei Tage anwesend sind und sämtliche, dem jeweiligen Chor zugedachten Auftritte absolvieren. Das Fehlen einer Teilnahmebeschränkung hat dieses Jahr dazu geführt, dass 50 Chöre mit 1500 singenden Mitgliedern mit von der Partie waren. Vor zwei Jahren in Lausanne waren es noch 30. Dazu kamen in St. Gallen noch 650 Kinder, die mit ihren Chören am Freitag am fröhlichen «SingplausCH» teilnahmen.
Das Angebot der drei Tage war riesig. Auf 26 Plätzen, in Kirchen und Konzerträumen in und um St. Gallen fanden rund 60 Konzertveranstaltungen statt. Das Publikumsinteresse war trotz häufigen Regens gross. Weiterbildungsangebote für Chorleitende und Workshops rundeten das Angebot ab.

Defizite kommen nicht in Frage
Das SKJF verfolgt das Ziel, den Kinder- und Jugendgesang sowie Schweizer Chorkompositionen zu fördern. Die Gründungsversammlung war am 7. März 2006 in Zürich. Die Idee für das SKJF hatte Michael Gohl, der zu Beginn auch dem Vorstand «Verein Schweizer Kinder- und Jugendchor-Förderung SKJF» angehörte. Der Verein ist Mitglied der Schweizerischen Chorvereinigung SCV. Er gewährleistet die regelmässige Organisation des Festivals und fördert mit weiteren Projekten über die Sprachgrenzen hinweg die Vernetzung der Schweizer Kinder- und Jugendchöre. Im aktuellen Vereinsvorstand ist von der Gründungstruppe einzig Peter Daniels (Finanzen) übrig geblieben. Diese Kontinuität zahlt sich im wahrsten Sinne aus. Der ehemalige CEO und Hobbychorsänger kennt das Finanzierungsgeschäft aus dem Effeff und hat in all den Jahren ein nutzbringendes Beziehungsnetz aufgebaut. Trotzdem muss er «immer wieder von vorne anfangen». Schon vor Beginn des Festivals hat er seine Fühler nach den in Frage kommenden Geldgebern für das Festival 2015 in Disentis/Mustér ausgefahren: «Wir arbeiten nur mit Donatoren, wir machen kein Sponsoring. Donatoren – meist Stiftungen – geben Geld ohne Gegenleistung. Sponsoren hingegen wollen etwas verkaufen und das passt nicht zum Zweck der Kinder- und Jugendförderung». Daniels verfügt dieses Jahr über ein ansehnliches Budget von gut einer halben Million Franken. Defizite kommen nicht in Frage: «Es wird nur bestellt, was bezahlt werden kann».

Fröhliches gemeinsames Singen
Das OK der Festivals kommt immer aus der Austragungsregion. OK-Präsident Michael Schläpfer ist aktuell auch Vizepräsident des Vereinsvorstands, Vreni Winzeler Präsidentin. Beide waren auch mit ihren Chören dabei. Vreni Winzeler war an vorderster Front ebenfalls für Animation zuständig. Immer wieder trat sie zusammen mit Bernhard Bichler und ihrem «Ansingchor» vors Publikum und sorgte mit kleinen Zwischennummern und Mitsingaktionen für gute Stimmung. Die beiden werden in der Musikkommission von den bewährten Fachleuten Hans-Jörg Ganz und Kathrin Renggli unterstützt, die übrigens beide ebenfalls als Chorleitende teilnahmen. Kathrin Renggli bringt als Präsidentin des höchst erfolgreichen Europäischen Jugendchorfestivals (EJCF), das alle zwei Jahre in Basel stattfindet, ein grosses Know-how mit. Das Grundkonzept des SKJF weist denn auch grosse Ähnlichkeit mit dem EJCF auf, bis hin zur Förderung von Schweizer Komponistinnen und Komponisten und dem Erteilen von Kompositionsaufträgen. Renggli betont aber, dass es sich, allen Ähnlichkeiten zum Trotz, um zwei grundverschiedene Anlässe handelt: «Das EJCF ist eine Plattform für hochqualifizierte Jugendchöre aus ganz Europa und die Konzerte richten sich an ein zahlreiches Publikum, während beim SKJF als rein schweizerischem Anlass das fröhliche Miteinander, das Zuhören und die Freude am Singen im Vordergrund stehen».

Schweizer Werke ins Repertoire
Dieses Jahr entstanden für St. Gallen fünf neue Auftrags-Chorkompositionen. Die Auflage, eine Schweizer Komposition oder ein Arrangement von Landsleuten aufzuführen, hat zu einer verstärkten Hinwendung und Beschäftigung mit Schweizer Musik, nicht zuletzt auch mit dem Volksliedgut geführt. «Identitätssuche ist wieder erlaubt. Die Jungen kennen die Gründe nicht, welche ältere Generationen davon abhielten, zu viel Patriotismus aufflammen zu lassen. Die Neukompositionen aus der Schweiz fallen mehr und mehr auf fruchtbaren Boden und werden von den Chören auch gesungen», stellt Kathrin Renggli fest. Einige Neukompositionen der letzten Jahr haben Eingang ins Repertoire mancher Chöre gefunden: Der Kanon Dito von Jürg Sigrist wird öfters gehört. Auch für den Singplauschkanon von Maria Laschinger aus diesem Jahr stehen die Chancen gut, breiten Anklang zu finden. Zu den am meisten aufgeführten Schweizer Komponisten für Kinder- und Jugendchöre gehören heute Ivo Antognini, der auch international gefragt ist, aber auch Carl Rütti oder Martin Völlinger. Geglückte Arrangements von Chorleiterinnen und -leitern tauchen ebenfalls immer öfter in den Repertoires der Chöre auf.

5. Festival SKJF  vom 14. bis zum 17. Mai 2015 in Disentis/Mustér

www.skjf.ch


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