Buchrezension: Auf dass wir klug werden 
Requiem mit Variationen

Requiem mit Variationen

Karl-Andreas Kolly, 03.09.2013

Wie setzen Komponisten in verschiedenen Zeiten ihre Beschäftigung mit Tod und Sterben in Musik um? Ein gewichtiges Buch blickt in die Tiefe und bleibt dabei sehr nah an den Partituren.

Urs Stäubles gerade erst erschienener Band Auf dass wir klug werden ist in mancher Hinsicht ein ungewöhnliches Buch. Das beginnt schon mit dem Titel, dessen Sinn sich erst erschliesst, wenn man den ganzen Satz kennt, aus dem hier zitiert wird: «Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden.»

Dieser Vers aus dem 90. Psalm, den Johann Sebastian Bach in seinem Actus tragicus vertont hat, bringt den Leser nun auf die richtige Spur. Ausgehend vom gregorianischen Requiem bespricht Urs Stäuble auf seinem Gang durch die Musikgeschichte acht Werke, die sich mit dem Tod auseinandersetzen. Nebst Bachs eben erwähnter Kantate sind dies die Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz, die Requiem-Vertonungen von Mozart, Verdi, Brahms, Dvořák und Fauré sowie die Nr. VIII aus Le Laudi von Hermann Suter.

Ungewöhnlich auch die formale Anlage des Buches: Die einzelnen Beiträge sind als «Thema und acht Variationen» gruppiert, wobei in einem kurzen Epilog noch einmal die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Vertonungen quasi verdichtet aufgezeigt werden. Die Analysen der einzelnen Werke – erläutert anhand zahlreicher Notenbeispiele – verraten einen Autor, der diese Musik nicht nur vom Hören, sondern auch vom eigenen Musizieren kennt. In der Fülle des Materials finden sich immer auch ganz persönliche und originelle Einsichten, wie sie wohl nur einem ausübenden Musiker vergönnt sind.

Die einzelnen Kapitel bzw. Variationen beginnen jeweils mit einer biografischen Skizze, die das Leben des Komponisten bis zur Entstehung des besprochenen Werkes beleuchtet. Bei Mozart betrifft das logischerweise sein ganzes Leben. Im ersten Moment stutzt man. Wozu soll das gut sein? Diese Skizzen sind jedoch sehr gelungene Einstimmungen, die man sich nicht entgehen lassen sollte.
Ungewöhnlich an Urs Stäubles Buch ist natürlich auch der Umfang. Die 560 Seiten sind nicht zum einmaligen Durchlesen geeignet. Der Band ist eine reiche Schatztruhe und lädt immer wieder zumVerweilen und Vergleichen ein – auf dass wir klug werden …

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Urs Stäuble,
Auf dass wir klug werden
Ein Thema und acht Variationen
568 S., geb., Fr. 129.00
Books on Demand, Norderstedt
ISBN 978-3-9522448-1-4


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