Gestik in der Oper des 19. Jahrhunderts 
Sänger auf der Bühne

Sänger auf der Bühne

Jakob Knaus, 26.02.2015

An der Hochschule der Künste Bern wurde die Opernpraxis des 19. Jahrhunderts untersucht.

Diese Publikation bietet eine ästhetische Überraschung, denn eher selten kommen Sammelbände mit wissenschaftlichen Aufsätzen in Druck und Ausstattung attraktiv daher. Das Grossformat (290 x 195mm) ermöglicht gut lesbare Notenbeispiele und sinnvoll in den Text eingefügte Illustrationen. Kommt dazu, dass sowohl die vielen Schwarz-Weiss- wie auch die Farbbilder gut ausgewählt und sorgfältig gedruckt sind.

Die zehn Aufsätze, sieben in deutscher, drei in englischer Sprache – «Ergebnisse einer im Rahmen des Forschungsprojekts Sänger und Schauspieler durchgeführten Tagung» –, beleuchten speziell den gestischen Bereich der Opernpraxis im 19. Jahrhundert und dies wiederum vorwiegend in Paris und Wien; sie referieren über die damalige Gebärdensprache anhand von Aufführungsberichten und Gestik-Lehrbüchern, unterstützt von instruktivem historischem Bildmaterial, und sie belegen, dass die Ausbildung von Schauspielern und Sängern zumeist identisch verlief. Theorie und Praxis kommen zur Darstellung, auch wenn das zweite im Werkstattbericht Gesten auf dem Prüfstand sowie im Interview mit einer Tanzpädagogin und Choreografin relativ wenig Raum einnimmt. Die beiden Hauptbeiträge, wie das Interview in englischer Sprache abgefasst, konzentrieren sich auf die damalige Szene in Paris: Singers as Actors untersucht die Gestik an der Grand Opéra, Staging and Acting am Théâtre Royal Italien.

Sowohl die Pantomime wie auch der Tanz werden in einem umfangreichen Aufsatz miteinbezogen. Die Grand Opéra, eines Meyerbeer etwa, wartete mit Exklusivitäten auf, von denen Zeitgenossen, auch Wagner, profitierten, sie kopierten oder zu übertreffen versuchten. Überraschend dabei, dass folkloristisch-national orientierte Tänze (auch aus dem Osten Europas) vom Land in die Stadt «verfrachtet» und dort in Operneinlagen und Ballettmusiken integriert wurden, und ausserdem, dass die «Dansomanie» in Paris vorwiegend im 2/4- oder im 6/8-Takt, in Wien und Berlin das Ballfieber aber im 3/4-Takt ausbrach und die Gesellschaft «aus den Fugen brachte».

Image

Sänger als Schauspieler. Zur Opernpraxis des 19. Jahrhunderts in Text, Bild und Musik, Musikforschung der Hochschule der Künste Bern, Band 5, hg. von Anette Schaffer, Edith Keller, Laura Moeckli, Florian Reichert und Stefan Saborowski, 196 S., € 32.00, Edition Argus, Schliengen 2014, ISBN 978-3-931264-85-7


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