Welche Werke machen den Kanon der Musikgeschichte aus? 
Die Säulen des Repertoires

Die Säulen des Repertoires

Michael Kube, 09.09.2015

Eine Zusammenstellung der mustergültigen Werke gibt es für die Musik bisher nicht. Theorie und Geschichte solcher Kanonbildungen aber schon.

Auf der Suche nach den bildungsbürgerlichen Auswüchsen des vor einigen Jahren in Mode gekommenen Begriffs des «Kanons» trifft man relativ rasch auf den Kanon der Literatur von Marcel Reich-Ranicki. Dass sich im Bereich der Musik bisher (glücklicherweise?) weder ein Kritiker noch ein Wissenschaftler gefunden hat, Vergleichbares zu präsentieren, muss freilich nicht unbedingt am Gegenstand oder einem allgemeinen Skrupel liegen. Viel eher fehlt eine lustvoll aneckende, kundige wie charakterstarke Persönlichkeit mit ähnlicher, verlegerisch verwertbarer Medienpräsenz.

Um Theorie und Geschichte eines «Kanons der Musik» (nicht zu verwechseln mit dem Kanon in der Musik) wird man sich freilich mit dem Erscheinen des vorliegenden Handbuchs kaum mehr Sorgen machen müssen. 34 Texte von 35 Autoren decken hier ein sehr breit angelegtes Spektrum ab: von einer Gegenstandsbestimmung über spezifische Repertoirebildungen durch die Jahrhunderte bis hin zu medialen und systematischen Aspekten. Hinzu kommt ein bislang ungedruckt gebliebener Text von Ernst Ludwig Gerber aus dem Jahre 1805: Ueber die Mittel das Andenken an verdiente Tonkünstler auch bey der Nachwelt zu sichern – ein heute noch aufschlussreicher Beitrag, auch (oder gerade) wenn ein darin zitierter Verleger klagt, dass «die Musici keine historischen Werke kauften». Geändert hat sich daran vermutlich wenig. Und gerade darum ist es nötig, dieses Handbuch auf die diversen privaten und öffentlichen Leselisten in Universität und Hochschule zu setzen – auch wenn aus diesem oder jenem Grund nicht alle möglichen Gesichtspunkte berücksichtigt werden konnten und man sich in einigem Abstand eine um aktuelle Beiträge erweiterte Neuauflage vorstellen kann. In diesem Fall aber sollte das «Handbuch» auch wirklich ein solches werden: Mit seinen stolzen 950 Seiten, einem Gesamt-gewicht von 1.716 kg und der glatten Oberfläche des verwendeten Bilderdruckpapiers stellt es weder eine handliche Lektüre dar, noch lässt sich gut damit arbeiten.

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Der Kanon der Musik. Theorie und Geschichte. Ein Handbuch, hg. von Klaus Pietschmann und Melanie Wald-Fuhrmann, 950 S., € 79.00, edition text+kritk, München 2013, ISBN 978-3-86916-106-8


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