«Mein Sprung ins Spiel» von Brigitte Bryner-Kronjäger 
Musiker wisse, was du tust

Musiker wisse, was du tust

Niklaus Rüegg, 06.09.2018

Das jüngste Buch von Brigitte Bryner-Kronjäger ist ein umfassendes Grundlagenwerk zu allen Aspekten des Instrumental- und Gesangsunterrichts.

Vor 30 Jahren schien Brigitte Bryner-Kronjäger mit ihrem ersten Buchtitel Üben ist doof (Ko–Autor Peter Schwarzenbach) Generationen von Schülerinnen und Schülern aus dem Herzen zu sprechen. Wer das Buch aber las, stellte schnell fest, dass Üben – vorausgesetzt man tue es richtig – eben gerade nicht doof ist, sondern Spass machen kann. Diese umfassende und zu jener Zeit revolutionäre Untersuchung stellte einiges von dem, was man sich unter Üben und Unterrichten vorstellte, auf den Kopf und ins rechte Licht: Es gelte, den Erfolg zu wiederholen, nicht auf den Fehlern herumzureiten – dies die verblüffend naheliegende Quintessenz. 30 Jahre Erfahrung als Flötistin und Didaktikerin liegen zwischen diesem ersten und ihrem jüngsten Buch Mein Sprung ins Spiel. Über die Wechselwirkung von Vorspielen/Vorsingen und Üben. Dazwischen erschienen von der Autorin Querfeldein (2001) und Treffpunkt Unterricht (2010).

Mein Sprung ins Spiel darf als Résumé von Bryner-Kronjägers Schaffen gelten. Das Werk ist zugleich Grundlagenbuch, Lehrbuch fürs Studium, Arbeitsbuch, praktische Anleitung und Nachschlagewerk für die Unterrichtspraxis und für Auftritte. Die Autorin bedient sich darin des Bildes eines Musikhauses mit Spiel-, Übe-, Rhythmuszimmer, Gruppenraum und Konzertsaal, ein Kniff, der bewusst machen soll, womit man musikalisch gerade zugange ist, in welchem «Zimmer» man sich gerade aufhält.

Zunächst wird das Kontinuum von Lernen und Spielen anhand der liegenden Acht verdeutlicht, welche die Wechselwirkung der beiden Tätigkeiten symbolisieren soll. Das Spiel wird demnach nicht allein als Erfüllung und Ziel der Vorbereitung gesehen, sondern es ist ebenso Vorgabe zu erneutem Üben; es bildet sich quasi ein Kreislauf. Die Autorin prangert wiederholt das weit verbreitete Phänomen des Vermischens von Üben und Spielen an – einen der Hauptgründe für Misserfolgserlebnisse.

Ein Grundlagenbuch ist das Werk deshalb, weil es zu jedem Thema detaillierte Hintergrundinformationen liefert. Zu jedem Kapitel gibt es Herleitungen und Definitionen. Die Besonderheiten des Musikspiels werden im Kontrast mit anderen Arten des Spiels hervorgehoben, dem Übeprinzip werden grundsätzliche Prinzipen des Lernens und Memorierens vorangestellt, Atmung und Haltung erhalten besondere Aufmerksamkeit, der Begriff Rhythmus wird eingehend erläutert, das Spielen und Üben in der Gruppe psychologisch abgestützt und das Konzerterlebnis vor dem Hintergrund der Begriffe Erfolg und Misserfolg sowie des Lampenfiebers bewertet. Allen Teilbereichen sind Übungsanleitungen und Checklisten zugeordnet, die leicht nachgeschlagen werden können.

Dieses umfassende Werk für Allgemeine Didaktik erspart jedem Instrumental- oder Gesangsstudierenden viel Arbeit, denn es steht alles drin, was künftige Musikerinnen und Musiker über Lernen und Spielen wissen müssen.

Im Anhang findet sich eine übersichtliche, mit Arbeitsanleitungen versehene Stilkunde von Heinrich Baumgartner mit dem Titel «City of Music».

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Brigitte Bryner-Kronjäger: Mein Sprung ins Spiel. Über die Wechselwirkung von Vorspielen/Vorsingen und Üben,
288 S., € 34.00, Musikverlag Burkhard Muth, Fernwald 2017, ISBN 978-3-929379-45-7


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