Ein Lesebuch über 12 Jahrhunderte 
Durch die Musikgeschichte streifen

Durch die Musikgeschichte streifen

Thomas Meyer, 23.01.2019

Ein fesselndes Lesebuch durch 12 Jahrhunderte herausgegeben von Tobias Bleek und Ulrich Mosch

Ganz neu und doch schon deutliche Gebrauchsspuren! Nicht, dass ich’s in einer Nacht durchgelesen hätte, aber ich habe dieses Buch immer wieder hervorgenommen, es kapitelweise gelesen, konsultiert. Es handelt sich hier nämlich nicht um eine herkömmliche Musikgeschichte, die klar und übersichtlich Fakten zusammenstellt und sie so auch etwas allzu eindeutig fixiert, sondern um ein Lesebuch. Nicht bloss auf gesichertes Wissen kommt es an (das ist die notwendige Voraussetzung), sondern mindestens ebenso, welche Auswahl man trifft, wie man die Teile verbindet und präsentiert. Gerade Musikgeschichte zu vermitteln, beruhend auf den neusten Erkenntnissen, befriedigend für Kenner, aber auch verständlich für Laien, ist eine Kunst. Ein Team um die beiden Herausgeber Tobias Bleek und Ulrich Mosch nimmt uns hier auf einen Streifzug durch zwölf Jahrhunderte mit, von 800 bis 2000. Ja, noch mehr, es setzt in der Antike an und reicht in die jüngsten Tage. Auch Popmusik 2.0 kommt zum Zug – und unser verändertes Hörverhalten.

Machen wir hier kurz Halt bei jener extravaganten Ars subtilior um 1400, die bald darauf durch süssere englische Töne abgelöst wurde. Das Buch stellt sie uns nicht als ausweglosen Manierismus vor, sondern als eine Musik, die durch die Mittel der Notation, der Konstruktion und der Intertextualität emotionale und gestalterische Nuancen darstellen wollte – dies in einer Zeit, als Europa und vor allem die Kirche gespalten waren. Derlei wird anschaulich erzählt, erfreulicherweise mit dem Mut zur erhellenden Anekdote, denn Musikgeschichte besteht auch aus Geschichten. Die Illustrationen bebildern nicht nur, sondern ergänzen. Mit Inserts werden Fachbegriffe umrissen und weitere Details hervorgehoben. Jeder Unterrichtende wird hier reichlich Stoff und Anregung finden. Sogenannte U-Musik taucht ebenso auf wie – seltener – aussereuropäische Musik. Gleichzeitig werden auch musiksoziologische, politische, mediale und technische Aspekte berücksichtigt. Und so kommt schliesslich sogar die Musikverbreitung im Internet zu einem Kapitel. Einziges Manko: Das Papier ist recht schwer und riecht etwas streng. Aber sonst sei das Buch wärmstens zum Gebrauch empfohlen.
 

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Tobias Bleek / Ulrich Mosch (Hrsg.): Musik. Ein Streifzug durch 12 Jahrhunderte, 397 S., zahlreiche Ill., € 34.95, Bärenreiter/Henschel, Kassel/Leipzig 2018, ISBN 978-3-7618-2233-3

 

 
 

 
 

Verlinkter Nachweis Bild oben: Petra Dirscherl / pixelio.de


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