Erni, Miller, Brühlmeier: Pioniere der Engadiner Volksmusik 
Meilenstein der Volksmusikforschung

Meilenstein der Volksmusikforschung

Dieter Ringli, 27.04.2021

«Las melodias dals randulins: Pioniere der Engadiner Volksmusik» von Jachen Erni, Anna Miller und Markus Brühlmeier ist nicht nur ein zweisprachiges Buch, es enthält auch ein dreistimmiges Notenheft und eine CD.

Publikationen zur Schweizer Volksmusik sind rar; umso erfreulicher ist dieses Buch zur Engadiner Volksmusik, das der Volksmusikant Jachen Erni aus Tschlin zusammen mit der Journalistin Anna Miller und dem Historiker Markus Brühlmeier herausgebracht hat. Im ersten, zweisprachig deutsch und romanisch verfassten Teil beschreibt Erni das Leben seines Vaters Anton Erni (1913–1980), der im Unterengadin als Bauer, Volksmusikant und Blasmusikdirektor tätig war, sowie den Werdegang der Familienkapelle Erni und zeichnet damit ein anschauliches Bild des Engadiner Musiklebens von den 1920er-Jahren bis zum Verschwinden der Volksmusik aus den Tanzsälen und der Verschiebung auf die Konzertbühne in den 1980er-Jahren. Im zweiten Teil liefert Erni ausgehend vom Notennachlass seines Vaters eine Fülle von Stücken, Namen, Bildern, Anekdoten und eine Übersicht über die wichtigsten handschriftlichen Notensammlungen des Engadins im 19. und frühen 20. Jahrhundert. So schafft er ein Standardwerk für die Engadiner Volksmusik.

Das Buch zeigt zwei Dinge deutlich: Erstens war Volksmusik eine sehr mannigfaltige Angelegenheit. Vom nach Gehör spielenden Autodidakten bis zum klassisch ausgebildeten Instrumentalisten reichte die Palette, und ebenso unterschiedlich waren auch Repertoire und Spielweise. Es waren Personalstile, die sich in den einzelnen Dörfern stark unterscheiden konnten. Die zweite Erkenntnis liefert auch den Titel des Buches: Die Engadiner Volksmusik war stark geprägt von den Randulins (rätoromanisch für «Schwalbe»), jenen Auswanderern, die einen Teil ihres Lebens in Norditalien verbracht hatten und dann zurückgekehrt waren. Diese Randulins, die in Florenz, Siena, Mailand oder Bologna gelebt und teilweise auch Musik studiert hatten, brachten Musik aus Italien zurück und prägten dadurch die Engadiner Volksmusik wesentlich mit. Die Engadiner Volksmusik erhielt also auch entscheidende Impulse aus der klassischen Musik Norditaliens, wobei in den in Italien abgeschriebenen Sammlungen auch Stücke aus Österreich und Deutschland zu finden sind. So wurde ein sehr internationales Repertoire heimisch im Engadin.

Dem Buch sind 26 Tänze aus dem Notenbuch des Rinaldo Franci aus Siena beigelegt, von Ueli Mooser dreistimmig arrangiert, die über den Randulin Cla Genua in den Nachlass von Anton Erni gekommen sind. Zudem eine CD mit Aufnahmen der Stücke mit der inzwischen in der vierten Generation spielenden Chapella Erni.
 

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Jachen Erni, Anna Miller, Markus Brühlmeier: Las melodias dals randulins: Pioniere der Engadiner Volksmusik, 159 S., ill., mit Notenheft, Poster und CD, Fr. 79.00, Somedia-Buchverlag, Chur 2020, ISBN 978-3-7298-1212-3


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