Rezension: Konzert für Klappentrompete 
Hummels Handschrift

Hummels Handschrift

Willi Röthenmund, 13.05.2013

Das Manuskript des beliebten Konzerts für Klappentrompete ist als Faksimile erschienen. Eine Einladung zum Tüfteln.

An der Hochschule der Künste Bern (HKB) wird die Forschung mit dem Schwerpunkt Interpretation stark gefördert. Resultate dieser profunden und gewissenhaften Studien sind einige wertvolle Publikationen im Blechbläserbereich, die in der SMZ zum Teil schon rezensiert wurden. (vergl. Neuausgabe der Trompetenschule von Eugène Roy, SMZ 10/2010, S. 34)
Johann Nepomuk Hummel (1778–1837) schrieb sein Konzert für Trompete und Orchester in E-Dur für Anton Weidinger (1766–1852), den Wiener Klappentrompetenvirtuosen, für den auch Joseph Haydn im Jahre 1796 sein Trompetenkonzert in Es-Dur schrieb. Die Uraufführung fand am 1. Januar 1804 am kaiserlichen Hof in Wien statt. Das Originalmanuskript liegt in der British Library, London.
Das vorliegende Faksimile zeigt die ganze Partitur in gut lesbarer Handschrift. Der Herausgeber Edward H. Tarr kommt durch Schriftvergleiche zum Schluss, dass es sich um die autografe Handschrift des Komponisten handeln muss, obwohl die Partitur in mehreren Arbeitsschritten entstand. Die Solostimme wurde in einer anderen Schriftfarbe notiert und ist an manchen Stellen mit Melodievarianten überkritzelt (Vereinfachungen des Solisten?). Mehrere Sprünge sind eingezeichnet, an zwei Stellen sogar mit eingeklebten Einlageblättern realisiert.
In Tarrs kritischem Kommentar (dt./frz./engl.) werden die Änderungsvorschläge untersucht und können in der Solostimme direkt mit dem Original verglichen werden. Ein weiteres Kapitel widmet sich der Klappentrompete, dem ursprünglichen Forschungsprojekt und -objekt. Die meisten der heute noch vorhandenen ca. 150 Originalinstrumente sind linksgriffig und mit 5 Klappen ausgestattet – leider ist keines von Weidinger erhalten geblieben. Somit bleiben viele Fragen zur historischen Aufführungspraxis mit diesem Instrument Spekulation und dem Tüfteln jener Trompeter überlassen, die sich auf das Spiel mit der Klappentrompete einlassen.

Image

Johann Nepomuk Hummel, Concerto a Tromba principale 1803, Facsimile, (= HKB Historic Brass Series 4), TP 306, Fr. 85.00, Editions Bim, Vuarmarens 2012

id., Einführung, Historische Betrachtung, Analyse, Kritischer Kommentar, Original-Solostimme, von Edward H. Tarr; deutsch TP 306d; französisch TP 306f; englisch TP 306e; je Fr. 22.00, Editions Bim, Vuarmarens 2012


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