Notenrezension Violine und Klavier 
Neue Violinsonaten mal jazzig, mal mit sphärischen Klängen

Neue Violinsonaten mal jazzig, mal mit sphärischen Klängen

Walter Amadeus Ammann, 05.06.2013

Nichts klassischer als die Kombination von Geige und Klavier. Das Repertoire ist hier aber ungewöhnlich.

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Wenn man die Geige in die Hand nimmt, um neue Musik vom Blatt zu lesen, freut man sich ausserordentlich, wenn schwierig aussehende Musik gut in die Hand fliesst und beim Überschauen der Partitur ein logischer Aufbau sichtbar wird; das geschah mir bei den Werken Rüeggs und Wolfgangs auffallend.

Mathias Rüegg, der Schweizer Jazz-Arrangeur, war Gründer und Leiter des Vienna Art Orchestra. Er unterrichtet jetzt an den Musikhochschulen Wien und Zürich und komponiert vermehrt Kammermusik. Er schrieb hier eine dreisätzige Jazz-Sonate von einer Viertelstunde Dauer. Zehn sich steigernden Variationen auf einem Harmonieschema folgt ein nachdenklicher Blues mit impressionistischem Gestus, der zwischenhinein rhythmisch gefasst wird. Das motorisch schnelle Finale mit interessanten Taktwechseln und Akzentverschiebungen wird beendet von einem sechs mal achttaktigen «Turn around», der aussieht wie eine Chaconne. Beim Hineinhören wird man hie und da ganz kurz an Grappelli erinnert, aber das zeigt nur auf die Wurzeln dieser charaktervollen, dynamisch differenzierten, für beide Instrumente spannend zu spielenden Musik.

Mathias Rüegg, three questions – one answer, für Violine und Klavier, D 33205, € 24.95, Doblinger, Wien 2011

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Der Kalifornier Gernot Wolfgang entwickelte sich vom Computer-Programmierer über Jazzgitarrist, Filmkomponist zum Schöpfer Neuer Musik. Er lässt sich von der Natur, für deren Erhaltung er kämpft, inspirieren. Sein Rolling Hills & Jagged Ridges ist ausdrucksstark mit sphärischen Klängen, aber in tonalem Rahmen festgehalten. Ein rhythmisches tonwiederholendes Echoduett und aus dem Nebel auftauchende eckige Grate werden virtuos dargestellt. Eine sinnende Violinkadenz mündet mit umherirrenden Pizzicati in Nebelmotiven des Klaviers. Nochmals tauchen in dramatisch untermaltem Unisono die Zacken auf, dann beruhigt der Klaviernebel die Geige zu schwebenden Flageolettklängen, bis das Zwölf-Minuten-Stück in einem gemeinsamen rasanten Aufstieg endet. Hörprobe

Gernot Wolfgang, Rolling Hills & Jagged Ridges, for Violin and Piano D 19970, € 19,90,
Beide bei Doblinger, Wien 2011


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