Kammermusik – Corellis Triosonaten 
Prüfstein der Kompositionskunst

Prüfstein der Kompositionskunst

Martin Lehmann, 08.05.2014

Die Einfachheit, Ausgewogenheit und Diffenrenziertheit von Arcangelo Corellis Triosonaten wurden zum Vorbild für seine Zeitgenossen.

Die vorliegende zweibändige Auswahl aus Corellis Triosonaten (op. 1 bis 4) vereint 12 Sonaten, je drei aus den vier Opera. Im ersten Band sind Sonate da chiesa (aus op. 1 und 3), im zweiten Sonate da camera (aus op. 2 und 4) zusammengestellt. Der «Bologneser Arcangelo, ... der beste Violinspieler, der je lebte, und der grösste Meister der Komposition» (zeitgenössischer Reisebericht aus Rom von John Drummond, 1695) schuf mit diesen Werken «Exempla classica», vorbildhafte Werke für die Gattung Sonate und die Instrumentalmusik überhaupt. Ab 1681 besorgte er selbst in akribischer Arbeit ihre Herausgabe. Die zahlreichen zeitgenössischen Nachdrucke zeugen vom Erfolg dieser Kompositionen. Dabei hütete Corelli sich davor, den Violinen zu viel Virtuosität zuzumuten; bei allem kompositorischen Reichtum bleiben diese Triosonaten den Idealen der Simplicitas, Temperantia und Subtilitas verpflichtet. Die Gattung wurde durch Corelli, den «nuovo Orfeo de’ nostri tempi» (Angelo Berardi, 1689), gleichsam zum Prüfstein des instrumentalen Komponierens: In der Folge begannen etliche Komponisten, unter anderen Antonio Vivaldi, ihr öffentliches Auftreten mit der Publikation von Triosonaten.

Der Barockgeiger und Musikhistoriker Bernhard Moosbauer, Spezialist für Instrumentalmusik des 17. und 18. Jahrhunderts und die deutsch-italienischen Musikbeziehungen im 17. und frühen 18. Jahrhundert (er arbeitete dazu u. a. am Deutschen Historischen Institut in Rom), betreute diese Urtextausgabe; er versah die Hefte mit einer ausführlichen Einführung in die Geschichte und das Wesen dieser Triosonaten und gibt in einem separaten Kapitel praktische Hinweise zur Interpretation, ein kurzes Kompendium historisch informierter Aufführungspraxis. Auf technische Zusätze in den Stimmen wie Fingersätze und Bogenstriche verzichtet er ganz. Den Generalbass hat Jochen Reutter ausgesetzt – wer daran vorbeisehen will, findet die Ziffern sowohl in der Klavier- als auch in der Violone- bzw. Violoncellostimme.

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Arcangelo Corelli, Triosonaten für zwei Violinen und
Basso continuo, hg. von Bernhard Moosbauer;
Band 1, Sonate da chiesa, Auswahl aus op. 1 und 3,
UT 50 277;
Band 2, Sonate da camera, Auswahl aus op. 2 und 4,
UT 50 287;
je € 29.95, Wiener Urtext Edition (Schott/Universal) 2013

 


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