Sopranblockflöte – Frühromantische Variationen 
Biedermeier-Schönheit

Biedermeier-Schönheit

Martina Joos, 04.06.2014

Das frühromantische Repertoire für die Sopranblockflöte erhält mit diesen unprätentiösen Flageolet-Variationen eine willkommene Erweiterung.

Franz Xaver Wolfgang Mozart war das jüngste Kind von Wolfgang Amadeus Mozart. In dessen Todesjahr geboren wurde er schon als Kleinkind zum Musiker bestimmt und erhielt in seiner Heimatstadt Wien Kompositions- und Instrumentalunterricht u. a. bei Johann Nepomuk Hummel, Antonio Salieri und Johann Georg Albrechtsberger. Zeitlebens erschien Franz Xaver Wolfgang Mozart in offiziellen Dokumenten nur unter dem Namen «W. A. Mozart Sohn». Die damit verbundenen Anforderungen und der ständige Vergleich mit seinem Vater liessen ihn an sich zweifeln. Mit zwanzig Jahren trat er in der galizischen Hauptstadt Lemberg als Klavierlehrer in den Dienst verschiedener Adelsfamilien und trat als Pianist und Dirigent auf. Für die neu gegründeten «Dilettanten-Concerte» verfasste er verschiedene Kompositionen – unter Umständen auch die vorliegenden Variationen fürs Fortep: und Flageolet über den Marsch aus Aline, einer 1803 in Paris uraufgeführten Oper von Henri-Montan Berton.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das blockflötenartige Flageolet immer beliebter und manifestierte sich in verschiedenen Bauformen – z. B. als Englisches oder Französisches Flageolet. Es lässt sich nicht fest stellen, von welchem Typus Mozart ausging, aber da die Partitur ein Instrument in Vierfusslage verlangt, bietet sich eine Fassung für Sopranblockflöte an. Klavier und Blockflöte treten in einen Dialog und übernehmen abwechslungsweise die führende Stimme. Wie schon das zugrunde liegende Thema aus Aline verzichten auch die gefälligen Variationen auf allzu grosse melodische oder harmonische Schreckmomente.

Gefragt ist ein mittleres Spielniveau, einzig die geforderte Dynamik und die damit einher gehenden Intonationsfragen müssen vom Spielenden technisch bewältigt werden. Doch diese Trouvaille stellt eine willkommene Bereicherung des schmalen frühromantischen Originalrepertoires für Blockflöte dar und gefällt in ihrer einfachen Biedermeier-Schönheit.

Image

Franz Xaver Wolfgang Mozart, Variationen über den Marsch aus «Aline», für Sopranblockflöte (Querflöte, Oboe, Violine) und Klavier, Erstdruck hg. von Nikolaj Tarasov und Helmut Schaller, DM 1431, € 13.95, Doblinger, Wien 2012


Kommentare

* Pflichtfelder

Neuer Kommentar
Ihr Beitrag wird nach redaktioneller Prüfung veröffentlicht.

Rezensionen finden

Die deutschsprachigen Notenrezensionen ab Januar 2013 sind hier gesammelt.

Notenrezensionen bis Dezember 2012 finden Sie über das Printarchiv unter dem Suchbegriff «Neuerscheinungen Bücher und Noten». Über die Suchfunktion hier auf der Seite können Sie gezielt nach Komponisten oder Schlagwörtern suchen. (Nur einen einzelnen Begriff eingeben, z. B. nur den Nachnamen.)

Weitere Notenrezensionen

Rezensionen

Die deutschsprachigen Rezensionen ab Januar 2013 sind hier gesammelt.

Über die Suchfunktion auf dieser Seite können Sie gezielt nach Autoren oder Schlagwörtern suchen (nur einen einzelnen Begriff eingeben, z. B. nur den Nachnamen).

Rezensionen bis Dezember 2012 finden Sie über das Printarchiv unter dem Suchbegriff «Neuerscheinungen Bücher und Noten» oder einem spezifischen Schlagwort.

Rezensionen auf Französisch.