Gesang – Erste Arien für den Unterricht 
Erste Opernluft

Erste Opernluft

Dorothee Labusch, 04.12.2014

«Das Lied im Unterricht», Standardwerk jedes Gesangslehrers, hat eine grosse Schwester bekommen.

Unter dem Titel Die Arie im Unterricht legt die Edition Schott einen Auswahlband für junge Sänger vor, die am Beginn ihrer Ausbildung stehen und deren Stimmumfang noch begrenzt ist, die sich vielleicht auf eine Eignungsprüfung an einer Hochschule vorbereiten und schon mal ein wenig Opernluft schnuppern wollen.

In der Sammlung werden unterschiedliche Epochen und Stile vom Beginn der Gattung Oper bis hin zum 20. Jahrhundert berücksichtigt. Alle Arien sind in der Originalsprache vertreten, man singt italienisch, englisch, französisch und deutsch. Die Auswahl enthält eine Fülle zumeist «kleiner» Arien abseits der gängigen Anthologien. Erschienen sind bisher ein Sopranband, ein Band für Mezzo und Alt und ein Tenorband, alle jeweils rund 30 Arien umfassend.

Gemäss der Faustregel, dass Mozart zu singen Stimmpflege bedeutet, ist dieser vor allem in der Sopranausgabe, aber auch in den beiden anderen vertreten. Es findet sich neben Cherubino, Susanna und Zerlina auch weniger häufig zu Hörendes wie die Arie der Servilia aus La clemenza di Tito oder die der Serpetta aus La finta giardiniera. Ausserdem die Arien des Annio, der Barbarina, des Pedrillo und des Monostatos, Figuren, die im Schatten der grossen Opernhelden das Geschehen auf der Bühne mitbestimmen.

Um diese Gruppe herum sortiert sich ein bunter Strauss von kaum Bekanntem, schon mal Gehörtem und Unerlässlichem: Händel und Monteverdi, Verdi und Thomas, aber ebenso Vicente Martin y Soler, ein spanischer Komponist, der zu Lebzeiten «der Mozart aus Valencia» genannt wurde, oder Vincenzo Righini, ebenfalls ein Zeitgenosse Mozarts. Mit Hans Werner Henze, Karl Amadeus Hartmann, Kurt Weill und Carl Orff ist auch das 20. Jahrhundert mit durchaus singbaren Beispielen vertreten.

Die Herausgeberin Claudia Eder bemüht sich in ihrer Auswahl um stilistische, sprachliche und musikalische Vielfalt, die den begabten Anfänger bei seiner Arbeit an Atmung, Virtuosität, Artikulation und musikalischem Ausdruck unterstützen soll. Hält sie sich im Allgemeinen an einfache, schlichte Arien, so findet doch auch einiges Schwierige Einlass: So stellen sicher die Szene des Yniold aus Pelléas et Mélisande von Débussy, die Arie der Mignon aus der gleichnamigen Oper von Thomas, die interessanterweise im Sopranband erscheint (?), und Stride la vampa von Verdi Herausforderungen dar, die dem Anfänger vielleicht noch nicht gelingen.

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Die Arie im Unterricht, 32 Arien aus 4 Jahrhunderten für Tenor und Klavier, hg. von Claudia Eder, ED 21141, € 18.99, Schott, Mainz 2014

id., 28 Arien aus 4 Jahrhunderten für Mezzosopran/Alt und Klavier, ED 20897, € 17.99, 2013

id., 27 Arien aus 4 Jahrhunderten für Sopran und Klavier, ED 20896, € 17.99, 2012


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