Ausstellungsstücke im Louvre animieren zu Klavierkompositionen 
Parallelwelten

Parallelwelten

Karl-Andreas Kolly, 25.02.2016

Neun wichtige zeitgenössische Komponisten haben sich von Meisterwerken im Louvre zu zehn Klavierstücken inspirieren lassen.

«Nous pensons en effet que le mariage des arts est un acte fondamental dans la démarche éducative, comme dans toute démarche artistique. Pour cette raison, nous avons eu l’idée de proposer à des compositeurs majeurs de notre siècle, Hugues Dufourt, Georg Friedrich Haas, Cristobal Halffter, György Kurtàg, Mauro Lanza, Philippe Manoury, Bruno Mantovani, Gérard Pesson et Wolfgang Rihm, de s’inspirer d’une oeuvre de leur choix au Musée du Louvre…, pour créer une pièce destinée à des pianistes en cours de cursus musical.» So äusserten sich Anne-Lise Gastaldi und Valérie Haluk über ihr Projekt, das 2014 unter dem Titel univers parallèles bei der Universal Edition herausgegeben wurde.

Bei dieser Idee denkt man vielleicht spontan an Mussorgskys berühmte Bilder einer Austellung. Allerdings konnte es hier logischerweise nicht um einen stilistisch einheitlichen Zyklus gehen. Und auch die mehrheitlich mässigen pianistischen Anforderungen, woran sich die meisten Komponisten auftragsgemäss auch gehalten haben, folgen nicht den Spuren des russischen Vorbilds.

Entstanden ist vielmehr ein bunte Sammlung von kurzen Stücken, die gelegentlich mehr über den Komponisten (keine einzige Komponistin!), als über das gewählte Kunstwerk aus dem Louvre verraten.

Da gibt es den Astronomen nach Vermeer, eine aparte Klangmalerei von Philippe Manoury; Rembrandts Ochsen, plötzlich im Louvre von Wolfgang Rihm, mit einfachsten Mitteln und Witz erzählt, oder das motorische, effekthascherische Autoportrait von Bruno Mantovani. Sehr tiefschürfend dagegen Kurtágs …couple égyptien en route vers l’inconnu... inspiriert von einem Kunstwerk, das ca. 2350–2200 v. Chr. entstanden ist, welches der Komponist vielleicht nicht ohne ironischen Hintersinn dem 90-jährigen Ausnahmepianisten Menahem Pressler gewidmet hat.

Keiner der Komponisten hat sich wohlweislich an die Mona Lisa gewagt.Wie die wohl klingen würde?

Image

Dufourt, Haas, Halffter, Kurtàg, Lanza, Manoury, Mantovani, Pesson, Rihm: ­univers parallèles. Dix nouvelles pièces pour piano inspirées de chefs-d'ouvres du Louvre, UE 36 021, € 24.95, Universal ­Edition, Wien


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