Gitarrenetüden – oder doch Herkulesaufgaben? 
Olympische Spielereien

Olympische Spielereien

Werner Joos, 01.09.2016

Die «Herkulesaufgaben» des Tiroler Gitarristen Robert Morandell atmen den mutig-verschmitzten Geist aufgeweckter griechischer Halbgötter, bleiben aber dennoch auf irdischer Augenhöhe.

Eine romantische Arpeggiostudie, ein einfacher Blues, ein jazziger Rhythmus, Akkorde aus reinen und übermässigen Quarten, ein munteres Siebenachtelstück – von allem ist etwas dabei. Die meisten der «12 + 1 Etüden auf dem Weg zum Gitarrenolymp» sind in e-Moll oder G-Dur gehalten, einige auch mit starkem chromatischem Einschlag. Direkt unter den Noten stehen rudimentäre Tabulaturen. Dies erleichtert jenen Schülerinnen und Schülern, die im Notenlesen weniger sattelfest sind, bei hohen Lagen oder vielen Vorzeichen die Orientierung auf dem Griffbrett.

Jedes Stück hat eine klare Struktur, die es dem Autor ermöglicht, mit minimalen Zusatzanweisungen Variationen vorzuschlagen, zum Beispiel ein neues Anschlagsmuster, eine andere Reihenfolge der Töne innerhalb eines Taktes oder veränderte Bindebögen. Daraus ergeben sich verschiedene Schwierigkeitsgrade, die von den Spielerinnen und Spielern in vorgegebenen Kästchen abgehakt werden können. Auch fürs Auswendigspielen, für den richtigen Fingersatz und fürs Spieltempo gibt es entsprechende Piktogramme.

Von der Aufmachung her richtet sich das Heft vorwiegend an Kinder. Die Stücke können aber geradeso gut von Jugendlichen gespielt werden. Alle Nummern sind bestimmten Gestalten oder Orten der griechischen Mythologie zugeordnet, zudem sind sie mit kurzen Kommentaren versehen. Keine Angaben gibt es über die Urheberschaft der Illustrationen – stammen sie von Morandell selbst?

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Robert Morandell, Herkulesaufgaben, 12 + 1 Etüden
auf dem Weg zum Gitarrenolymp, D 35 958, € 14.50, Doblinger, Wien 2015


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