Die Klarinettensonate von Adolf Busch 
Repertoireloch gestopft

Repertoireloch gestopft

Dominik Sackmann, 02.03.2017

Die Klarinettensonate von Adolf Busch, komponiert 1939, ist endlich im Druck erschienen.

An guten Klarinettensonaten herrscht kein Überfluss – umso erfreulicher, dass endlich die Klarinettensonate von Adolf Busch (1891–1952) im Druck erschienen ist, die seit 1991 in der CD-Einspielung von Thomas Friedli und Ulrich Koella bekannt ist. Im letzten Jahr hat die Karlsruher Klarinettistin Bettina Beigelbeck die Sonate aufgenommen und sie nun auch im Verlag Breitkopf herausgegeben. Das Werk entstand 1939 und ist dem englischen Klarinettisten Reginald Kell (1906–1981) gewidmet. Der Schweizer Komponist Adolf Busch wohnte damals noch in Riehen bei Basel, musste aber im November 1939 nach Amerika emigrieren, wo er die Sonate sogleich überarbeitete. Stilistisch führt sie die Linie von Brahms über Reger weiter, ist aber bei Weitem zugänglicher als Regers Klarinettenwerke. Busch breitet in drei unterschiedlichen Sätzen ein ganzes Panorama der Musikgeschichte, von Bach bis in seine eigene Zeit, aus. Beide Stimmen sind technisch anspruchsvoll; Busch dachte beim Komponieren des Klavierparts wohl an einen Pianisten vom Kaliber seines Schwiegersohns Rudolf Serkin (1903–1991).

Die Ausgabe erfüllt alle Anforderungen einer modernen Edition. Dies bedeutet zum einen, dass Partitur wie Klarinettenstimme auf 46 bzw. 8 Seiten im Gross-A4-Format zusammengedrängt sind, was eher Entziffern als flüssiges Lesen bedeutet, und zum anderen, dass die differenzierte Verwendung von Versetzungszeichen in Buschs Vorlage – zumal in Musik mit derart rasch wechselnden Tonarten – dem starren Schema «gilt immer für die Länge eines Taktes» geopfert wurde.

Eigentlich sind die Zeiten vorbei, in denen «offensichtliche Fehler und Ungenauigkeiten stillschweigend korrigiert» werden. Änderungen beruhen immer auf einem Vorverständnis der Herausgebenden, über das sie Rechenschaft ablegen müssten: Woher kommt das ges in Takt 17 des dritten Satzes, warum wurde der Leitton in Takt 70 eliminiert usw.? Gleichwohl handelt es sich bei dieser Edition um eine längst fällige Behebung eines gravierenden Repertoirelochs.

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Adolf Busch, Sonate für Klarinette und Klavier A-Dur op. 54, hg. von Bettina Beigelbeck, EB 8899, € 22.90, Edition Breitkopf, Wiesbaden 2016


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