Lautenwerke von Dowland für Gitarre 
Alte Stücke, neu notiert

Alte Stücke, neu notiert

Werner Joos, 27.04.2018

Lautenwerke von Dowland in einer sorgfältigen Ausgabe in ansteigendem Schwierigkeitsgrad für Gitarre.

Dass sich John Dowlands wunderbar zeitlose Lautenmusik hervorragend für die Interpretation auf der Gitarre eignet, ist nicht neu. Der musikalische Liebes-Melancholiker aus London ist in zahlreichen Einzelausgaben, Alben und Anthologien vertreten. Nun fügt Martin Hegel 24 weitere, progressiv angeordnete Transkriptionen für Gitarre hinzu, von den leichtesten kurzen Instrumentalstücken Dowlands bis zu etwas umfangreicheren mittelschweren Tanzsätzen. Eine Ausgabe für den praktischen Gebrauch also, die sich aber akribisch an den originalen Lautentabulaturen orientiert. Einzelne Abweichungen sind klar gekennzeichnet, Verzierungen in einfacher Form ausgeschrieben – aber nur dort, wo es im Original entsprechende Markierungen gibt. Hinzugefügt sind Bindebögen und gelegentliche Arpeggiozeichen. Die Fingersätze sind darauf ausgerichtet, dass die dritte Saite analog zur Laute auf fis gestimmt ist.

Die meisten der von Hegel transkribierten Stücke wurden bereits 1980 von Karl Scheit, dem österreichischen Altmeister des letzten Jahrhunderts, in seinen Ausgaben John Dowland, Solowerke I und II herausgegeben. Ein Vergleich zeigt, dass sich schon Scheit, abgesehen von einigen Zusatzschlenkern, erstaunlich genau an die Vorlagen hielt – was bei seinen zeitlich weiter zurückliegenden Dowland-Ausgaben durchaus nicht der Fall war.

Dowland, der ja mehr noch als für seine Lautenwerke für seine Lieder bekannt ist, übertrug solche auch auf die Sololaute. So etwa My Lord Willoughby's Welcome Home, das bei Scheit und bei Hegel (wie auch das Stück Lady Leighton's Almain) in zwei unterschiedlichen Instrumental-fassungen erscheint. Interessant bei Hegel ist auch das Stück Come away, das auf Dowlands herzergreifendem Song Come again, sweet love doth now invite für Stimme und Laute beruht, nicht aber mit Come away, come, sweet love! zu verwechseln ist. Alles in allem: eine moderne, zuverlässige und praktikable Zusammenstellung gut spielbarer musikalischer Perlen des grossen englischen Renaissance-Komponisten.

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John Dowland: Dowland for Guitar, 24 leichte bis mittelschwere Transkriptionen für Gitarre, arr. von Martin Hegel, ED 22743, € 16.00, Schott, Mainz 2017


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