Übungsstücke für Saxofon von Christoph Enzel und James Rae 
Meditative und vergnügliche Etüden

Meditative und vergnügliche Etüden

Martin Neher, 01.06.2018

Christoph Enzel hat in seinen «Mantras» für Saxofon die Wiederholung auf eine neue Ebene versetzt. Bei den Übungsstücken von James Rae steht das Musikantische im Vordergrund.

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Instrumentaltechnische Übungen haben einen schlechten Ruf – zu Unrecht, wie ich meine, denn schliesslich schaffen sie die notwendigen Grundlagen und unterstützen die Aneignung schwieriger Passagen im Repertoire. Etüden für das Saxofon gibt es bekanntlich nicht in grosser Vielfalt. Es mangelt insgesamt an Etüden zur Entwicklung von Fingerfertigkeiten, die im Kern auch einen musikalischen Ausdruck haben und eine kompositorische Idee verfolgen, wie wir es beispielsweise von Klavier- oder Violinschulen kennen. So ist es kein Wunder, dass aus diesem Fundus viele Stücke für Saxofon transkribiert wurden. Und umso erfreulicher ist es, wenn neue Ideen das Repertoire bereichern.

Christoph Enzel hat mit seinen 15 von Minimal Music inspirierten technischen Studien Mut zur simplen Idee der Wiederholung bewiesen und diese noch dazu spirituell untermauert. Seine musikalischen Mantras sind Anregung, den Prozess des Übens von seiner Mühsal zu befreien, indem man den scheinbar langweiligen Bewegungsabläufen zum Flow verhilft und die Heiligkeit der Repetition weit weg von jeglicher stupiden Wiederholungsmechanik zum Erklingen bringt. Dies ist nicht jedem Schüler so leicht zugänglich und erfordert von der Lehrperson pädagogisches und methodisches Fingerspitzengefühl, erst recht, wenn die Übungen in exponierten Lagen eine blastechnische Herausforderung darstellen. Da der Komponist und Saxofonist im Vorwort Schwierigkeiten beim Einstudieren eines Konzerts als Ausgangspunkt dieser Publikation angibt, könnten Lehrer wie Schüler, dieser Idee folgend, selbst Mantras komponieren, die ihrem individuellen Niveau entsprechen. Viel Spass!

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Die Hefte von James Rae sind seit Jahren ein fester Bestandteil vieler Unterrichtsbibliotheken – allen voran die sogenannten klassischen Saxofonistinnen und Saxofonisten schätzen den Fundus an pop- und jazzverwandten Unterrichtsstücken. Seine Produktion von inzwischen unzähligen Publikationen mag inflationär erscheinen, da sich dem Musikpädagogen nicht immer ein innovativer musikalischer Impetus erschliesst, mit dem man neue Aspekte in den Unterricht einfliessen lassen könnte.

Letztlich ist es aber wahrscheinlich die musikantische Natur, die überzeugt – so wie in den 18 Concert Etudes for Solo Saxophone. Hier ist Spielfreude angesagt: man wechselt zwischen rhythmischen, melodischen und harmonischen Solostücken hin und her, die auch als Vortragsstücke bestimmt grossen Anklang finden. Zusammen mit den 12 Modernen Etüden (UE 18795) und den 20 Modern Studies (UE 18820) bilden diese Etüden ein gern gezogenes Unterrichtsregister.


Christoph Enzel: Saxophone Mantras, 15 Technical Studies for Saxophone, ADV 7158, € 14.95, Advance Music, Mainz 2017

James Rae: 18 Concert Etudes for Solo Saxophone (S, A, T, B), UE 21705, € 16.95, Universal Edition, Wien 2017
 


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