12 Minuteries für 4 Flöten von Walter Feldmann 
Kleine Quartett-Uhrwerke

Kleine Quartett-Uhrwerke

Claudia Weissbarth, 28.06.2018

Grosse Farbigkeit und Spielwitz zeichnet die 12 Miniaturen für 4 Flöten von Walter Feldmann aus.

Ursprünglich waren die für vier Flöten gesetzten 12 Minuteries oder minutiösen «Uhrwerke» des Schweizer Flötisten und Komponisten Walter Feldmann nur für einen 12-Ton-Crashkurs an einem Gymnasium vorgesehen, erfreuen sich mittlerweile aber auch bei Aufführungen von Flötenquartetten grosser Beliebtheit. Der Komponist bezeichnet die Stücke als «kleine Uhrwerke, die grösste Präzision verlangen, dazu aber spielerisch und humorvoll sind» und bemerkt ausserdem im Vorwort, es handle sich um «einfache Ideen und Kontraste, die sich immer mehr zu recht verworrenen Gebilden entwickeln, von Stück zu Stück chromatisch aufsteigend vom Anfangston H bis zum B, wobei der Epilog als eigentliche 13. Minuterie wieder vom H ausgehen muss».

Die Miniaturen bewegen sich durch die aufsteigenden Anfangstöne und sind im Charakter sehr verschieden. Auch variieren sie in der Gesamtlänge zwischen 25 Sekunden und 2:30 Minuten. Feldmann verwendet dabei eine grosse Farbpalette an Schattierungen und Ausdrucksgehalten: «Espressivo» beginnt die Sammlung mit der ersten Minuterie, die einen klangschönen Anfang macht. Flink huscht die zweite in Triolen und Trillern herbei. In der dritten Minuterie mit dem Titel «Bedächtig» entwickeln sich aus dem cis-Unisono elegische Klangfarben, die sich auffächern und wieder zum Ausgangston zurückkehren, wohingegen die vierte «Sehr rasch» sehr spritzig wirkt. In der fünften verwendet der Komponist erstmals effektvoll «äolische» Töne: nur Luft ohne Ton. Die lange sechste Minuterie entfaltet sich, ähnlich wie die dritte, aus einem Liegeton und ist weitgehend im Piano-Bereich gehalten. Im Gegensatz dazu beginnt die nächste «Scharf herausfahrend» mit Akzenten. In der achten mischt Feldmann wirkungsvoll Stimmen mit normalen Tönen ohne Vibrato und Stimmen mit Luftklang. Auch in den letzten Minuteries sorgen wandernde Triolen und punktuell getupfte Akkorde für Abwechslung. Fliessend und ohne Vibrato endet die zwölfte.

Die Sammlung ist sehr nuancenreich, es ist auch möglich, nur einzelne Sätze zu spielen, da diese im Schwierigkeitsgrad von einfach bis sehr anspruchsvoll variieren. Durch ihre Farbigkeit und ihren Spielwitz sind die 12 Minuteries eine grosse Bereicherung bei der Quartettliteratur.

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Walter Feldmann: 12 Minuteries für 4 Flöten (2013), Spielpartitur CV 16.332, € 49.80, Carus, Stuttgart


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