René Wohlhauser: «Quamakútsch» für Flöte, Kontrabass und Klavier 
Lautmalerisches Trio

Lautmalerisches Trio

Claudia Weissbarth, 01.11.2018

René Wohlhauser hat mit «Quamakútsch» ein kontrastreiches Kammermusikwerk für Flöte, Kontrabass und Klavier geschaffen.

Das Trio Quamakútsch für die seltene Besetzung Flöte, Kontrabass und Klavier wurde vom Basler Komponisten René Wohlhauser für das Art Ensemble Berlin komponiert. Quamakútsch ist, wie er schreibt, ein Werktitel, «der keine konkrete Bedeutung hat, aber als Lautpoesie musikalisch auf die Wahrnehmenden wirkt, wie die Musik als nonverbale Ausdrucksweise emotional und unterschwellig auf die Wahrnehmenden wirkt». Gleich am Anfang beginnt das Klavier zu pulsieren und wird bald von den Tremoli in der Flöte und im Kontrabass kontrastiert, die sich bis zur vierten Oktave aufschwingen und dann wieder vom Klavier noch weiter nach oben geführt werden. Für René Wohlhauser symbolisiert dies einen «chaotischen Anfang, gleichsam ein Sinnbild für das Suchen». Geheimnisvoll erklingen zwischen den hohen und lauten Abschnitten immer wiederkehrende, stimmungsvolle «Misterioso»-Intermezzi von Flöte und Kontrabass. Sie sind von mikrotonalen Glissandi durchzogen, welche interessante Klangfärbungen bewirken. Der Komponist setzt die Mikrotonalität bewusst flexibel ein, durchmischt die verschiedenen Systeme. Wohlhauser bezeichnet seine Kompositionsweise als «Horchen in die Tiefe» und will der Oberfläche gehaltvolle Musik entgegensetzen.

Im Anschluss entwickeln sich viele verwobene Figuren und Gesten in den drei Instrumenten, die sich gegenseitig aus sich heraus zu entfalten wie auch zu kommentieren scheinen und immer wieder zu den kurzen, ruhigen Intermezzi zurückkehren. Im Notenbild finden sich auch oft gespiegelte Bewegungen, zunächst als sich entwickelnde Synchrontriller in Flöte und Kontrabass, dann wieder figurativ im Klavier, die fast nahtlos ineinander übergehen. Kontinuierlich kehren die verschiedenen Materialtypen wieder, verlassen Bisheriges und lassen sich auf Neues ein, sodass eine strukturelle Vielfalt entsteht. Quamakútsch klingt durch seine starken Wechsel zwischen dialogischen, meditativen und pulsierenden Abschnitten sehr abwechslungsreich und interessant und ist eine grosse Bereicherung der eher spärlichen Literatur für diese Besetzung.
 

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René Wohlhauser: Quamakútsch für Flöte, Kontrabass und Klavier, Partitur, Edition Wohlhauser Nr. 1785, Ergon 59,
Fr. 42.00, www.renewohlhauser.com/


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