Ravels «Introduction et Allegro» für Harfe, Flöte, Klarinette und Streichquartett  
Endlich verlässliche Stimmen

Endlich verlässliche Stimmen

Xenia Schindler, 07.12.2018

Weit über hundert Jahre nach der Erstausgabe wurde Ravels «Introduction et Allegro» neu aufgelegt. Eine Ausgabe, die alle abweichenden Versionen anführt.

Wollten wir bisher Introduction et Allegro von Ravel einstudieren, diente uns Musikern und Musikerinnen die 1906 erschienene Erstausgabe als einzige Quelle. Diese wies jedoch etliche offensichtliche Mängel und Fehler auf. So fehlten einerseits in der Harfenstimme viele dynamische Angaben, andererseits Phrasierungs- und Haltebögen in den Bläser- und Streicherstimmen. Da half einem nur der vergleichende Blick in die Partitur teilweise weiter, obwohl auch diese nicht vollständig war.

Unter der Leitung von Peter Jost ist nun eine sehr sorgfältige Ausgabe realisiert worden, welche alle verfügbaren Quellen miteinander zu Rate gezogen und verglichen hat. Dabei wurde deutlich, dass das Autograf sich stark von der Erstausgabe unterscheidet, insbesondere in der Harfenstimme, welche Ravel vermutlich mit Hilfe des Harfenisten Alphonse Hasselmans nochmals stark überarbeitete.

Im Vorwort wird die Entstehungsgeschichte des Werks aufgerollt, wobei am Ende alle abweichenden Versionen der verschiedenen Quellen aufgelistet sind. Zudem hat die Harfenistin Sarah O’Brien die Erstausgabe kritisch durchgesehen, Pedalfehler korrigiert und fehlende Ergänzungen hinzugefügt. Obwohl die Takt-Aufteilung und das Format der Stimmen mit jenen der Erstausgabe vergleichbar ist, lassen sich die Noten im neuen Druck besser lesen, da sie grösser gesetzt sind. Vor allem ist nun eine sehr schöne Ausgabe erschienen, auf die man sich wirklich verlassen kann.
 

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Maurice Ravel: Introduction et Allegro, für Harfe, Flöte, Klarinette und Streichquartett, hg. von Peter Jost, Stimmen HN 1069, € 16.00; Studienpartitur HN 7069, € 11.50; G. Henle, München 2017


 

Bild oben: Eine Aufführung von Introduction et Allegro durch die Harfenistin Lily Laskine 1935 war einer der letzten Anlässe, bei dem Maurice Ravel in der Öffentlichkeit zu sehen war. Foto: Studio G. L. Manuel frères; Quelle: Bibliothèque nationale de France; Wikimedia commons


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