Vier Werke für Tasteninstrumente  
Ausgewähltes von Froberger

Ausgewähltes von Froberger

Dominik Sackmann, 21.02.2019

Peter Wollny hat vier Werke aus Johann Jacob Frobergers «Libro Secondo» herausgegeben.

Die herausragende Figur in der Geschichte der Musik für Tasteninstrumente im 17. Jahrhundert war zweifellos Johann Jacob Froberger (1616–1667). Er kann als wesentlicher Promotor der Suite (Partita) im Spannungsfeld zwischen der französischen Tanzkultur und der deutschen Ordnungsliebe betrachtet werden, und seine Tokkaten und kontrapunktischen Werke, welche italienische und deutsche Stilelemente zusammenführen, bilden Ausgangspunkte für Buxtehudes und Bachs Orgelwerke. Bei den Cembalisten und Organisten Allgemeingut, wird Froberger auch gelegentlich von Pianisten wie Grigori Sokolow in Klavierabenden berücksichtigt.

Nun legte der Leipziger Musikwissenschaftler Peter Wollny zu 400. Geburtstag des Komponisten eine Auswahl von vier Werken vor, die alle dem sorgfältigen Autograf von Frobergers Libro Secondo (A-Wn, Mus. Hs. 18706) entstammen. Dazu musste lediglich die Übertragung von Frobergers abweichenden Liniensystemen und Schlüsselungen in die heute gängige Schreibweise geleistet werden. Da aber, wo spieltechnische Probleme wegen zu grosser Handumfänge entstehen und wo eine lesefreundliche Verteilung auf die beiden modernen Notensysteme notwendig gewesen wäre, lässt Wollnys Notation Benutzerinnen und Benutzer im Stich.

Die verlegerischen Interessen an einer solchen Edition mögen berechtigt sein, als wissenschaftliche Leistung bleibt sie weit hinter der Ausgabe von Siegbert Rampe (Bärenreiter, 1993, BA 8063) zurück. Wo Rampe fein zwischen verschiedenen Balken mit je anderem Aussagewert punkto Artikulation unterscheidet, gleicht Wollny einfach an. Wo Rampe das gattungstypische Fehlen von Taktstrichen berücksichtigt, setzt Wollny wenigstens Mensurstriche. Wollnys Vorwort ist ausgesprochen kurz, die wenigen textkritischen Anmerkungen sind dort sogleich integriert. Vergleicht derjenige, der mehr als nur vier zufällig ausgewählte Stücke von Froberger kennenlernen will, den Aufwand dieser Ausgabe (anhand eines allgemein zugänglichen Digitalisats [S. III]) mit demjenigen von Rampes Forschungen, welche dann auch zu leicht lesbaren Varianten im Haupttext geführt haben, so sieht er rasch, dass er sich für die ältere Edition zu entscheiden hat. Dass auch Wollny sein Produkt auf diesen Vorarbeiten fussen liess, allerdings ohne dies in angemessenem Umfang anzumerken, wird einzig aus den Nummerierungen der Stücke nach Rampes Froberger-Werkverzeichnis (FbWV) klar.
 

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Johann Jacob Froberger, Ausgewählte Werke für Tasteninstrument, hg. von Peter Wollny, HN 1361, € 10.00 G. Henle Verlag, München 2016


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