Mozart: Konzert für Horn und Orchester Es-Dur KV 495 
Vierfarbiges Autograf

Vierfarbiges Autograf

Michael Kube, 27.11.2019

Musikalischer Code oder einfach Spielerei? Die mehrfarbige Notation in Mozarts Hornkonzert in Es-Dur KV 495 gibt bis heute Rätsel auf.

Auch wenn mir bei solchen Formulierungen immer etwas unwohl ist: In seiner Zeit dürfte Wolfgang Amadeus Mozart wohl der kreativste Geist gewesen sein. Und dies nicht nur in Bezug auf seine musikalischen Werke, sondern auch hinsichtlich seines Sprachwitzes und anderer vergnüglicher Schelmereien, die nur einem spielerisch veranlagten, ewig jung gebliebenen Esprit einfallen können. Dies gilt jenseits der bizarren Bäsle-Briefe oder des schrägen Musikalischen Spasses KV 522 auch für das 1786 entstandene Hornkonzert KV 495.

Es ist für den zwischen 1763 und 1773 in Salzburg als Hofjägerhornist angestellten und mit der Familie Mozart befreundeten Joseph Leutgeb geschrieben, der später nach Wien wechselte und dort eine Käserei vor der Stadt betrieb. Leutgeb muss Mozart mit der Bitte nach Konzerten geradezu in den Ohren gelegen haben, denn schon beim ersten Werk KV 417 (1783) findet sich im Autograf ein spöttischer Kommentar: «Wolfgang Amadé Mozart hat sich über den Leitgeb, Esel, Ochs und Narr, erbarmt.»

Was Mozart dem Hornisten beim Konzert KV 495 mitgegeben hat, wissen wir nicht genau. Neben zwei posthumen Drucken in Stimmen haben sich nur Teile der Handschrift erhalten, bei der Mozart das mittlere Andante cantabile mit gleich vier unterschiedlich farbigen Tinten entwarf: schwarz, blau, rot und grün. Seither wird gerätselt, ob es sich bloss um eine buntscheckige Laune oder um einen musikalischen Code handelt. Auch wenn die erhaltenen Teile des Autografs von der Morgan Library (New York) online gestellt wurden: Die Urtext-Edition bei Breitkopf macht den Notentext erstmals im aufwendigen Farbdruck für die Praxis verfügbar – nicht nur zum Spass, sondern auch zum Weiterrätseln.

Image

Wolfgang Amadeus Mozart: Konzert für Horn und Orchester Es-Dur KV 495, hg. von Henrik Wiese, Partitur PB 15131, € 19.90, Breitkopf & Härtel in Kooperation mit G. Henle, Wiesbaden


Kommentare

* Pflichtfelder

Neuer Kommentar
Ihr Beitrag wird nach redaktioneller Prüfung veröffentlicht.

Rezensionen finden

Die deutschsprachigen Notenrezensionen ab Januar 2013 sind hier gesammelt.

Notenrezensionen bis Dezember 2012 finden Sie über das Printarchiv unter dem Suchbegriff «Neuerscheinungen Bücher und Noten». Über die Suchfunktion hier auf der Seite können Sie gezielt nach Komponisten oder Schlagwörtern suchen. (Nur einen einzelnen Begriff eingeben, z. B. nur den Nachnamen.)

Weitere Notenrezensionen

Rezensionen

Die deutschsprachigen Rezensionen ab Januar 2013 sind hier gesammelt.

Über die Suchfunktion auf dieser Seite können Sie gezielt nach Autoren oder Schlagwörtern suchen (nur einen einzelnen Begriff eingeben, z. B. nur den Nachnamen).

Rezensionen bis Dezember 2012 finden Sie über das Printarchiv unter dem Suchbegriff «Neuerscheinungen Bücher und Noten» oder einem spezifischen Schlagwort.

Rezensionen auf Französisch.