Josef Schelb: Sonate für Klarinette und Klavier 
Unterschiedliche Stimmungen und Gesten

Unterschiedliche Stimmungen und Gesten

Martin Sonderegger, 24.03.2020

Die 1947 entstandene Klarinettensonate von Josef Schelb ist erstmals herausgegeben worden.

Der Name Josef Schelb ist wohl den wenigsten Klarinettisten geläufig, obwohl dessen umfangreiches kompositorisches Schaffen (unter anderem elf Sinfonien, weitere grosse Orchesterwerke, Ballette, mehrere Opern und viel Kammermusik) etliche Werke für Klarinette umfasst. Nebst der jetzt als Breitkopf-Urtext erstmalig im Druck erschienenen Klarinettensonate aus dem Jahr 1947 stammen ein Konzert für Bassklarinette mit Begleitung von zehn Soloinstrumenten (1930/43), ein Klarinettenquintett, ein Klarinettenquartett sowie weitere Kammermusikwerke mit Klarinette aus seiner Feder.

Josef Schelb (1894–1977) wurde in Freiburg im Breisgau geboren, war unter anderem Kompositionsschüler von Hans Huber in Basel und studierte in Genf Klavier. Nebst einer Karriere als Konzertpianist war er während mehr als 30 Jahren Professor für Klavier und Komposition an der Musikhochschule Karlsruhe. Sein Schaffen lässt sich keiner bestimmten Schule zuordnen, sondern ist von unterschiedlichen Einflüssen seiner Zeit geprägt.

So ist auch die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Klarinettensonate stilistisch nicht klar einzuordnen. Formal klassisch in vier Sätzen angelegt, ohne festgelegte Tonart, aber doch mit tonalen Bezügen und metrisch-rhythmisch eher traditionell lässt sie sich am ehesten mit der Sonate von Schelbs Zeitgenossen Paul Hindemith vergleichen.

Der erste Satz ist geprägt von einer expressiven, rhythmisch pointierten Melodieführung und strahlt eine vorwärtsdrängende Unruhe aus. Im zweiten, ruhigeren Satz begeben sich Klarinette und Klavier in einen ausdrucksvollen Dialog. Der dritte Satz, im 6/8-Takt geschrieben, lebt von schnellen Tongirlanden und zeigt einen lustig-spritzigen Charakter. Im Schlusssatz herrscht wieder ein optimistisch vorwärts gerichteter Eindruck vor.

Die schön gestaltete Ausgabe mit Einführung und Kritischem Kommentar bietet eine erfreuliche Bereicherung des Klarinettenrepertoires der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
 

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Josef Schelb: Sonate für Klarinette und Klavier, hg. von Albert Schelb, Erstausgabe, EB 8991, € 24.90, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2019

 

Foto oben: S.erinaceus / wikimedia commons C.C.BY-SA 3.0 DE


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