Editionen und eigene Stücke des Doyens der britischen Gitarrenszene  
Hommage an John W. Duarte

Hommage an John W. Duarte

Werner Joos, 02.09.2020

Neben einer Auswahl an Stücken, die der Doyen der britischen Gitarrenszene herausgegeben hat, bietet dieser Erinnerungsband auch drei Eigenkompositionen.

John W. Duarte war Engländer durch und durch, und so ärgerte er sich jeweils ein bisschen darüber, dass sein Name von nicht-englischsprachigenenglisch – Du-árte statt Djú-ǝtsen – ausgesprochen wurde. Wobei dies ja für einen international tätigen Gitarristen und Komponisten, der Freundschaften mit Leuten wie Andrés Segovia oder Antonio Lauro pflegte, nahezu unvermeidlich war. Er war Organisator, Herausgeber, Rezensent, eine bekannte Figur des Londoner Musiklebens und Doyen der britischen Gitarrenszene, scharfzüngig, aber freundlich. Sein Veston und seine Pfeife erinnerten an Sherlock Holmes. Nach jedem Gitarrenkonzert, das in der berühmten Wigmore Hall stattfand, scharten sich im Pub seine Jüngerinnen und Jünger um ihn zur geselligen Nachbesprechung.

Das Album, das nun zu Ehren des 2004 im Alter von 85 Jahren Verstorbenen zusammengestellt wurde, umfasst 20 Stücke für Sologitarre, die alle von Duarte in den Siebziger- und Achtzigerjahren herausgegeben wurden, darunter drei Eigenkompositionen. Diese sind munter, farbenfroh, mit ihrer durch scharfe Sekunden und quere Akkorde gebrochenen Tonalität manchmal ein wenig schrullig. Überraschend ist, wie adäquat Duarte schon damals Tabulaturen von Gaspar Sanz oder Alonso Mudarra auf die Gitarre übertragen hat. Seine klaren Interpretationsvorstellungen lassen sich aus der Balkensetzung, den Haltebögen und dem lückenlosen Fingersatz leicht nachvollziehen.

Die Notenbilder wurden eins zu eins von dmmer spanisch sten früheren Ausgaben übernommen, inklusive Druckfehler. Bei manchen Stücken fehlen die Scordatura-Angaben. Neben viel Alter Musik, nicht zuletzt auch von John Dowland, sind Transkriptionen von Domenico Scarlatti gut vertreten, und einige leichtere, klangschöne Nummern, etwa von Rodrigo Riera, laden zum Träumen ein. Am modernsten klingt eine kleine Studie von Reginald Smith Brindle. Insgesamt ist der Band John W. Duarte – A Celebration of His Music for Guitar eine schöne Hommage an eine markante Persönlichkeit wie auch ein abwechslungsreiches Gitarrenalbum, das zum musikalischen Schmökern einlädt.

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John W. Duarte : A Celebration of His Music for Guitar, selected by Paul Coles, UE 29201, € 14.95, Universal Edition, Wien

 

 


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