34 Spielstücke für Soloflöte zusammengestellt von Rien de Reede 
Komponiert im 18. Jahrhundert

Komponiert im 18. Jahrhundert

Claudia Weissbarth, 30.03.2021

Einige der «34 pièces pour flûte seule» stammen von bekannten Komponisten der Zeit, andere können nicht zugeordnet werden.

Die vom Flötisten Rien de Reede ausgewählte Zusammenstellung beinhaltet Solostücke verschiedener Komponisten aus dem 18. Jahrhundert. Meist tragen sie Titel wie Caprice, Fantaisie, Bohémienne oder Gigue und sind «zwar technisch herausfordernd, aber von reizvollem musikalischem Wert», wie der Herausgeber im Vorwort schreibt. Rien de Reede erwähnt auch, dass, wie bereits Johann Joachim Quantz in seiner Autobiografie vermerkte, die Flötisten gezwungen waren, Stücke für Blockflöte oder Violine umzuschreiben, da es ab 1719 fast keine eigene Sololiteratur mehr für Traversflöte gab.

Die Parallelen zur Violinmusik zeigen sich beispielsweise darin, dass viele Stücke, etwas die Minuets des belgischen Komponisten Antoine Mahaut, Akkordzerlegungen oder grosse Sprünge über zwei Oktaven enthalten, um Mehrstimmigkeit zu suggerieren. Zweistimmig klingen auch Stücke mit ungewöhnlichem Titel wie die Bizzarria/Courante von Silvius Leopold Weiss, die sich in der Sammlung von Jean Daniel Braun befindet, wo eine chromatische Linie in der Oberstimme vom e3 bis nach fis2 mit einer zweiten melodischen Linie im Abstand von Sexten und Quarten geführt wird. Neben solchen Raritäten findet man auch bekannte Stücke wie Alla Francese in D-Dur, die Fantasia G-Dur oder das Minuetto «L'innconnue» mit zehn Variationen eines anonymen Komponisten, die bereits in den Capricen von Johann Joachim Quantz veröffentlicht sind. Auch englische Komponisten wie Lewis Granom kommen zum Zuge. In der Sammlung des französischen Flötisten Jean Daniel Braun, die beinahe ein Drittel der Zusammenstellung ausmacht, befinden sich vor allem Tänze wie Giga, Allemande, Minuetto und Rondeau. Den Abschluss bildet das unbekannte Capriccio von Wenceslao Zimmermann, das wirkungsvoll mit Akkordzerlegungen in Triolen durch alle drei Oktaven springt.

Der illustre Band ist eine abwechslungsreiche Sammlung für Querflötisten und Traversflötisten ab der Mittelstufe, die Bekanntes mit Raritäten kombiniert und Interesse weckt, auch unbekanntes Repertoire für Soloflöte zu entdecken.

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34 pièces pour flûte seule,
Spielstücke aus dem 18. Jahrhundert,
ausgewählt von Rien de Reede,
UE 38064, € 17.95, Universal Edition, Wien


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