Pier Damiano Peretti: Quasi manualiter für Orgel 
Verbeugung vor dem Barock

Verbeugung vor dem Barock

Tobias Willi, 23.02.2022

Mit «Quasi manualiter» für Orgel schlägt Pier Damiano Peretti auf subtile Weise eine Brücke aus unserer Zeit zu barocken Vorbildern.

Der an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien lehrende Komponist und Organist Pier Damiano Peretti leistet mit diesem Werk einen interessanten Beitrag zur Gattung «Neue Musik für historische Orgeln» – eine Idee, die glücklicherweise mehr und mehr Komponierende anregt und hoffentlich auch einen wachsenden Einfluss auf die Konzertprogramme vieler Organisten und Organistinnen haben wird. Peretti geht von einem barocken Instrument des süddeutsch-österreichischen Typus aus, für den sich auch in der Schweiz etliche Beispiele finden, d. h. von einer zweimanualigen Orgel mit kurzer Oktave in Manual und Pedal und einer ungleichschwebenden Stimmung im Stil des 18. Jahrhunderts. Die Registrierungsanweisungen sind auch auf kleineren Instrumenten problemlos realisierbar. Ein Pedal ist zwar nötig, aber übernimmt keine besonderen Funktionen, worauf auch der Titel Quasi manualiter deutet, der das Werk nach barockem Vorbild zwischen «kirchlicher Öffentlichkeit und häuslicher Privatheit» ansiedelt und auf die damalige «Austauschbarkeit» von Tasteninstrumenten jeglicher Art anspielt.

Ein etüdenhaft-monotoner erster Satz eröffnet den Zyklus, an den sich ein verspieltes, mit «fantastico» betiteltes Sätzchen für eine Vierfuss-Flöte anschliesst. Ein zwischen Sarabande («quasi kaputte Dorforgel») und agiler Corrente changierender Satz bildet das Herzstück; ein kurzes Rezitativ und ein tänzerischer Schlusssatz komplettieren das etwa zehnminütige Werk. Peretti gelingt in diesen kurzen – spieltechnisch und rhythmisch allerdings recht anspruchsvollen – Stücken auf gekonnte Weise eine Verbindung zwischen der Klangsprache unserer Zeit und einer musikalischen Gestik, die zwar ihre historischen Vorbilder erahnen lässt, aber dabei nicht «neobarock» wirkt. Fazit: eine Bereicherung des Repertoires, die sich ausgezeichnet mit Werken des Barocks kombinieren lässt.

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Pier Damiano Peretti: Quasi manualiter für Orgel, D 02 531, € 14.95, Doblinger, Wien

 

 


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